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Eine Bedrohung aus dem All
Marvel Tōkon: Fighting Souls verpackt seine Kampagne in einen Story-Modus, der sich an klassischen Comic-Erzählungen orientiert. Im Zentrum steht ein kosmischer Widersacher von gewaltiger Macht, der von Planet zu Planet reist und dessen stärkste Krieger zum Duell herausfordert. Wer ihn besiegt, rettet seine Heimatwelt, wer scheitert, verliert alles. Nach mehreren verwüsteten Welten richtet der Angreifer schließlich seinen Blick auf die Erde und genau hier beginnt die eigentliche Handlung des Spiels.
Statt einer einzelnen, linearen Geschichte bietet Tōkon gleich fünf parallele Erzählstränge an, die jeweils aus der Perspektive eines eigenen Vierer-Teams erzählt werden. Zur Auswahl stehen unter anderem ein Team rund um die klassischen Avengers, eine Gruppe aus dem X-Men-Umfeld, ein kosmisch angehauchtes Guardians-Team sowie zwei Teams mit deutlich düsterer Ausrichtung, in denen auch Antihelden und waschechte Bösewichte zum Zug kommen. Diese Aufteilung sorgt dafür, dass man nicht nur die immer gleichen Gesichter zu sehen bekommt, sondern tatsächlich einen recht breiten Querschnitt durch das Marvel-Universum erlebt.
Erzählt werden die Episoden im Wechsel aus aufwendig animierten Zwischensequenzen und comicartig inszenierten Standbildern, die wie lebendig gewordene Heftseiten wirken. Die Idee dahinter ist charmant, allerdings variiert die Qualität der Umsetzung von Episode zu Episode spürbar, da offenbar unterschiedliche Künstler für die einzelnen Kapitel verantwortlich waren. Manche Abschnitte wirken dadurch deutlich liebevoller gestaltet als andere, was den Gesamteindruck der Kampagne etwas trübt. Als Spieler übernimmt man dabei stets die Rolle des jeweiligen Teamanführers, sammelt im Laufe der Handlung die restlichen Teammitglieder ein und muss sich am Ende jeder Episode dem großen Widersacher in einem Bosskampf stellen. Genau hier liegt auch die größte Schwäche der Kampagne: Der grobe Ablauf wiederholt sich in allen fünf Episoden nahezu identisch, wodurch sich nach dem dritten oder vierten Durchgang ein Gefühl von Wiederholung einstellt. Wer die Story komplett durchspielen möchte, sollte sich also eher auf ein kurzweiliges, aber repetitives Vergnügen einstellen als auf eine erzählerische Offenbarung.
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Vier Kämpfer, ein Ziel! So spielt sich Tōkon
Spielerisch orientiert sich Marvel Tōkon: Fighting Souls an der „leicht zu lernen, schwer zu meistern"-Philosophie, die man von zahlreichen Arc-System-Works-Titeln kennt. Statt klassischer Schlag- und Tritttasten setzt das Spiel auf ein Schema mit leichten und schweren Angriffen, die sich auf unterschiedliche Weise miteinander verketten lassen. Einsteiger können durch simples Drücken einer Taste bereits ansehnliche automatische Kombos auslösen, während erfahrene Spielerinnen und Spieler durch manuelles Verketten unterschiedlicher Angriffsarten deutlich komplexere und schadensträchtigere Combos konstruieren können, die zudem schneller die eigene Superleiste auffüllen.
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Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Spiels ist jedoch das Team-System: Statt eines einzelnen Kämpfers stellt man sich ein Quartett aus vier Figuren zusammen, wobei zu Kampfbeginn zunächst nur die Anführerin oder der Anführer aktiv ist. Die übrigen Teammitglieder werden im Verlauf des Gefechts durch bestimmte Aktionen, etwa das Herausschlagen des Gegners in einen neuen Bühnenbereich oder das Gewinnen einer Runde, nach und nach freigeschaltet und lassen sich anschließend entweder als Unterstützung ins Geschehen rufen oder per Tastendruck komplett gegen die aktive Figur austauschen. Dadurch entsteht eine enorme taktische Tiefe: Wird der eigene kraftvolle, aber langsame Kämpfer von einem beweglichen Gegner in Bedrängnis gebracht, kann man flugs zu einer wendigeren Figur wechseln, oder man kontert gegnerische Fernangriffe, indem man eine eigene Figur mit passenden Spezialfähigkeiten einwechselt.

Besonders bemerkenswert: Alle vier Charaktere eines Teams teilen sich eine gemeinsame Lebensleiste. Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, verhindert aber, dass Kämpfe durch vier separate Energiebalken unnötig in die Länge gezogen werden, und sorgt gleichzeitig dafür, dass der Wechsel zwischen den Figuren tatsächlich eine strategische Entscheidung bleibt und nicht bloß ein Weg, verlorene Lebenspunkte zu umgehen. Wer taktisch klug zwischen seinen vier Kämpfern rotiert, wird im späteren Spielverlauf klar im Vorteil sein – wer nur stumpf auf die Tasten eindrischt, kommt zwar ebenfalls ans Ziel, wird gegen bessere Gegnerinnen und Gegner aber schnell an seine Grenzen stoßen. Genau diese Balance zwischen Zugänglichkeit für Neulinge und Tiefgang für Profis ist es, die Tōkon von vielen anderen Team-Prügelspielen abhebt und dem Genre einen frischen Anstrich verleiht.

Comic-Optik trifft Anime-Dynamik
Optisch verfolgt Marvel Tōkon: Fighting Souls einen klaren Ansatz: Es will aussehen wie ein Comicheft, das zum Leben erweckt wurde, gepaart mit der Dynamik japanischer Animation. Das gelingt in weiten Teilen erstaunlich gut. Die Charaktermodelle sind detailreich gestaltet und orientieren sich sichtlich an den ikonischen Zeichnungen der jeweiligen Figuren, während die Animationen sehr geschmeidig wirken und durch kräftige visuelle Effekte bei Treffern zusätzlichen Nachdruck verleihen. Schauplätze wie Wakanda, das Ödland oder die X-Mansion sind liebevoll mit zahlreichen Anspielungen an das Marvel-Universum bestückt und lassen sich während eines Kampfes durch harte Treffer sogar in unterschiedliche Bereiche verlagern, was für zusätzliche Abwechslung sorgt. Insgesamt hätten wir uns zwar durchaus noch die ein oder andere zusätzliche Arena gewünscht, die vorhandene Kulisse macht aber optisch durchweg etwas her.
Technisch bewegt sich das Spiel auf sehr solidem Niveau: Es läuft in stabilen 60 Bildern pro Sekunde. Wer allerdings einen völlig neuartigen grafischen Kraftakt erwartet, dürfte leicht enttäuscht werden, denn stilistisch hätte das Spiel in ähnlicher Form durchaus schon vor einigen Jahren erscheinen können. Das mindert den Gesamteindruck aber kaum, denn wichtiger als grafische Effekthascherei ist bei einem Prügelspiel ohnehin, dass sich Treffer wuchtig anfühlen und Bewegungen flüssig und lesbar bleiben – und genau das wird geboten.

Musikalisch punktet Marvel Tōkon: Fighting Souls mit individuellen Leitmotiven für nahezu jede spielbare Figur, die stilistisch gut zum jeweiligen Charakter passen. Der Großteil des Soundtracks bewegt sich in klassischen, treibenden Arcade-Klängen, ergänzt um rockigere Einlagen, an denen unter anderem Musikerinnen und Musiker aus dem Umfeld von Guns N' Roses mitgewirkt haben. Auch erfahrene Komponierende aus der Videospielbranche, die bereits an bekannten Produktionen mitgearbeitet haben, sind an Bord und sorgen für eine klanglich abwechslungsreiche, wenn auch nicht bahnbrechende Untermalung.
Umfang, Modi und Langzeitmotivation
Neben dem bereits beschriebenen Story-Modus bietet Marvel Tōkon: Fighting Souls das übliche Repertoire, das man von einem modernen Prügelspiel erwarten darf, und packt dabei noch einige eigene Ideen obendrauf. Klassische Versus-Duelle gegen die KI oder gegen befreundete Spielerinnen und Spieler auf der Couch gehören ebenso dazu wie ein umfangreicher Trainingsmodus, in dem sich Combos in Ruhe einüben lassen, sowie individuell konfigurierbare Sondermatches mit angepassten Regeln.
Besonders spannend wird es im Arena-Modus, dem klassischen Arcade-Äquivalent des Spiels: Hier wählt man ein Team und kämpft sich durch eine Serie von Duellen, wobei man an bestimmten Punkten sogar den eigenen Weg durch die Gegnerreihen mitbestimmen kann. Das sorgt für eine angenehme Portion Wiederspielwert, weil sich bei jedem Durchgang leicht andere Kombinationen an Gegnern und damit auch unterschiedliche Verläufe ergeben können – schade nur, dass daneben kein zusätzlicher, gänzlich klassischer Arcade-Modus ohne Verzweigungen existiert. Wer es actionreicher mag, sollte sich den Survival-Modus ansehen, der einen Hauch Roguelite-Flair versprüht: Man tritt gegen eine Serie von Gegnerinnen und Gegnern an, ohne dass sich die eigene Lebensleiste zwischendurch regeneriert, kann sein Team durch das Besiegen mächtiger Bosse aber mit zusätzlichen Fähigkeiten aufwerten und so immer weiter vorankommen. Dieses Wechselspiel aus Risiko und Belohnung sorgt für einige kurzweilige und stets ein wenig unterschiedlich verlaufende Sessions.
Abgerundet wird das Angebot durch einen chibihaften Sammel- und Rangmodus, in dem man mit niedlich gestalteten Miniaturversionen der Charaktere durch kleine Areale läuft, dort Boni einsammelt und anschließend mit dem Gesammelten in Kämpfe zieht, deren Ergebnisse in einer Bestenliste festgehalten werden. Wer online unterwegs sein möchte, findet neben klassischen Wertungs- und Freundschaftsduellen auch eine gesellige Lobby, in der man als individualisierbarer Avatar herumlaufen, andere Spielende treffen und an kleinen Nebenaktivitäten teilnehmen kann. Mit einem Roster von rund zwanzig sehr unterschiedlich spielbaren Figuren – plus dem finalen Widersacher, der sich nach Abschluss der Kampagne freischalten lässt – bringt Tōkon zudem eine ordentliche Portion Charaktervielfalt mit, die durch angekündigte kostenpflichtige Zusatzkämpfer und eine weitere Arena in den kommenden Monaten sogar noch wachsen soll.

Online-Erlebnis und technische Altlasten
Gerade weil Marvel Tōkon: Fighting Souls klar auch als kompetitives Online-Erlebnis gedacht ist, wurde dem Mehrspielerpart erkennbar viel Aufmerksamkeit gewidmet – zumindest auf der PlayStation-5-Plattform. Dort lassen sich Lobbys mit einer beachtlichen Anzahl an Mitspielenden gleichzeitig betreten, lockere wie gewertete Duelle funktionieren zuverlässig, und auch die Rangsysteme wirken durchdacht. Wer allerdings auf dem PC spielt, sollte aktuell mit Vorsicht herangehen: Verbindungsprobleme, niedrige Bildraten und spürbarer Input-Lag sorgen dort für deutlich mehr Frust, was sich auch in vielen kritischen Nutzerbewertungen auf den einschlägigen Verkaufsplattformen widerspiegelt. Positiv ist immerhin, dass Arc System Works die Probleme öffentlich anerkennt und an Lösungen arbeitet – bis diese jedoch flächendeckend ausgeliefert sind, würden wir PC-Spielenden empfehlen, insbesondere plattformübergreifende Partien vorerst mit Bedacht zu genießen oder komplett zu deaktivieren.









