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NBA THE RUN

Für eine ganze Generation von Basketballfans war NBA Street Vol. 2 so ein Spiel, das sich wie Freiheit angefühlt hat. Keine taktischen Timeouts, kein Foul-Pfiff nach jedem zweiten Kontakt. Nur drei gegen drei, der Asphalt, die Crew und der unbedingte Wille, den Gegner in den Boden zu stampfen. Dann wurde es still. Lange still. Fast zwei Dekaden lang. Jetzt, im Juni 2026, betritt Play by Play Studios die Bühne und macht genau das Versprechen, das Millionen von Fans über all diese Jahre im Hinterkopf hatten: Wir bringen euch zurück auf die Straße. NBA THE RUN ist das erste lizenzierte Arcade-Basketballspiel seit 19 Jahren und das allein ist schon ein Statement. Ob es auch ein gutes Spiel ist, das ist eine andere Frage. Und genau die wollen wir hier beantworten.

NBA THE RUN
Dieses Spiel wurde uns vom Publisher kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung.

Was ist NBA THE RUN eigentlich?

NBA THE RUN stammt aus der Feder von Play by Play Studios, einem etwa 30-köpfigen Indie-Studio, das von ehemaligen EA-Veteranen gegründet wurde. Das Spiel stellt euch vor eine ebenso simple wie griffige Aufgabe: Baut euch ein Team aus drei NBA-Stars oder fiktiven Streetball-Legenden zusammen, zieht durch ikonische Courts auf der ganzen Welt und siegt euch durch Knockout-Turniere, bis ihr ganz oben steht. Es gibt keine Story im klassischen Sinne, keine Karrieremode, keinen Create-a-Player-Modus, den ihr von alten NBA-Street-Titeln kennt. Was NBA THE RUN stattdessen bietet, ist ein klarer, fokussierter Loop: Einsteigen, gewinnen, weiterkommen, oder ausscheiden und von vorne anfangen.

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Gespielt wird ausschließlich im 3-gegen-3-Format. Ihr habt dabei die Wahl zwischen dem Solos-Modus, in dem ihr euer Trio selbst steuert, und dem Squads-Modus, wo ihr mit bis zu zwei Freunden als eingespielte Mannschaft antritt. Beides läuft über Online-Matchmaking, einen Offline-Modus gibt es nicht. Das ist eine Design-Entscheidung, über die wir noch sprechen werden.

Wenn der Asphalt brennt

Reden wir über das, was am Ende des Tages zählt: Wie spielt sich das Ding? Die kurze Antwort: verdammt gut. Die längere Antwort braucht etwas mehr Raum. NBA THE RUN wurde auf der Unreal Engine 5 entwickelt und von Grund auf für schnelles, reaktives Online-Gameplay konzipiert. Das merkt man sofort. Die Steuerung fühlt sich knackig und präzise an. Crossover, Layups, Dunks und Blocks gehen flüssig von der Hand. Hier ist jede Eingabe spürbar, jede Entscheidung zählt, und der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Spielzug liegt oft in Millisekunden. Ein besonderes Highlight aus technischer Sicht ist die Implementierung von Rollback-Netcode – einer Netzwerktechnologie, die man bislang vor allem aus kompetitiven Fighting Games wie Mortal Kombat oder Street Fighter kennt. In einem Online-Sportsspiel ist das schlicht außergewöhnlich, und das Ergebnis lässt sich hören: Matches laufen selbst bei unterschiedlichen Verbindungen stabil und ohne das nervtötende Rubber-Banding, das man aus anderen Online-Titeln kennt. Für ein kleines Studio mit 18 Entwicklern ist das eine echte Glanzleistung.

Was das Gameplay strategisch spannend macht, ist der Umstand, dass sich die 38 spielbaren Charaktere, darunter 33 lizenzierte NBA-Stars wie LeBron James, Stephen Curry, Damian Lillard, Nikola Jokić und Victor Wembanyama sowie fünf fiktive Streetball-Legenden, tatsächlich unterschiedlich anfühlen und spielen. Curry kann aus der eigenen Hälfte einen Drei-Punkte-Versuch rauslassen, aber wer ihm gut verteidigt und einen Arm in sein Gesicht bekommt, kann den Wurf noch blocken. Wembanyama dominiert die Zone wie ein Baum, den niemand umfällt, aber zwingt man ihn raus aus der Zone, stottert er. Dame hingegen ist ein Shooter mit limitiertem Einfluss auf andere Aspekte des Spiels. Die Teamzusammenstellung ist also kein reines Cosmetic-Feature, sondern echte Taktik.

Ergänzt wird das Ganze durch sogenannte "In the Zone"-Fähigkeiten, eine Art Momentum-System: Wer durch abwechslungsreiches Spiel seine Anzeige füllt, schaltet mächtige Spezialfähigkeiten frei. Das verhindert monotones Spam-Gameplay und belohnt Spieler, die den Court lesen und variieren können. Ebenfalls clever: die rotierenden Regeln pro Match. Mal liegt die Punktschwelle bei 25, mal bei 7, mal zählen Dunks weniger, mal mehr. Diese Unvorhersehbarkeit hält das Spiel frisch und zwingt euch, flexibel zu denken statt nur ein auswendig gelerntes Schema abzuspulen.

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Was allerdings trübt: Die Balance zwischen kleinen und großen Spielern ist noch nicht perfekt austariert. Sehr große Spieler wie Wembanyama haben durch ihre schiere Reichweite Vorteile, die kleinere Guards kaum ausgleichen können. Wer mit Damian Lillard aufzieht und in den Dreier geht, dem kann ein Wemby oder vergleichbarer Hüne den Ball noch am höchsten Punkt des Wurfbogens wegschnappen. Das ist frustrierend und fühlt sich nicht immer fair an. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Es ist möglich, ein Team mit dreimal demselben Spieler aufzustellen. Diese Lücke im Regelwerk muss dringend geschlossen werden.

Stilvoll und selbstbewusst

Optisch geht NBA THE RUN einen eigenen, mutigen Weg. Statt auf fotorealistischen Hyperrealismus zu setzen, wie es NBA 2K seit Jahren tut, entschieden sich die Entwickler für einen stilisierten, handgezeichneten Comic-Look und das zahlt sich aus. Die Spieler haben erkennbare Gesichtszüge, markante Tattoos, eigenwillige Haare, aber alles ist leicht überzeichnet, dynamisch und bunt. Es wirkt wie eine lebendige Graphic Novel, die Basketball atmet.

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Die Courts sind dabei echte Hingucker. Zum Launch sind elf Spielstätten dabei, von Venice Beach in Kalifornien über den legendären Rucker Park in Harlem bis hin zu The Tenement in Manila auf den Philippinen, einem Court in Peking und einem in Toronto. Jeder Platz hat seine eigene Atmosphäre, seine eigenen Zuschauer, seinen eigenen Vibe. Das ist kein Zufall: Play by Play Studios hat echte kulturelle Sorgfalt in die Gestaltung der internationalen Courts gesteckt. Der Tenement Court etwa fühlt sich wie ein echter Liebesbrief an die philippinische Basketballkultur an – kein generischer Skin, sondern ein Ort, der Authentizität ausstrahlt.

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Die Zuschauer reagieren auf das Spielgeschehen, jubeln bei Dunks, verstummen nach Fehlern, und die Geräuschkulisse trägt viel zur Atmosphäre bei. Obendrauf thront Bobbito Garcia, bekannt als Kool Bob Love als Kommentator. Seine Stimme ist einzigartig, seine Sprüche haben Persönlichkeit, und wenn er bei einem Dunk sein unverwechselbares "donqueoooo" herausschleudert, weiß man: Hier haben Menschen gearbeitet, die wissen, worum es geht. Garcia ist sogar selbst als spielbarer Charakter freischaltbar, wenn man genug Cred angesammelt hat.

Zu wenig auf dem Teller?

Hier wird es heikel. Und ehrlich gesagt war es vorhersehbar. NBA THE RUN liefert zum Launch im Grunde einen einzigen Spielmodus: den Knockout-Turniermodus, wahlweise als Solo oder Squad. Mehr ist nicht. Keine Offline-Modi, keine Story, keine Karrierekurve, kein Create-a-Player, kein lokaler Couch-Coop. Wer nach einer Singleplayer-Erfahrung sucht, ist schlicht am falschen Ort.

Das ist ein Problem. Nicht unbedingt, weil es für ein Arcade-Spiel ungewöhnlich wäre, auf einen fokussierten Kernmodus zu setzen – aber NBA Street Vol. 2, das zum Vergleich immer wieder herangezogen werden wird und es auch muss, erschien 2003 und hatte damals schon deutlich mehr Substanz: Karrieremodus, Story, Freischaltbare Legenden mit Hintergrundgeschichte, lokaler Multiplayer, tiefere Progression. Ein Spiel aus dem Jahr 2003 hat inhaltlich mehr zu bieten als ein 2026er-Titel mit demselben Genre-Anspruch. Das ist ein Satz, den man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte.

Was es gibt: ein Progressionssystem über Cred, die hauseigene In-Game-Währung. Cred verdient man durch Spielen, und damit schaltet man kosmetische Belohnungen frei. Und hier kommt tatsächlich ein echter Pluspunkt: Es gibt keine Mikrotransaktionen. Kein Pay-to-Win, keine Lootboxen, keine Battle Pass-Spirale. Alles, was im Shop steht, wird ausschließlich durch Gameplay freigeschaltet. In einer Branche, in der selbst Vollpreistitel die Spieler mit optionalen Käufen bearbeiten, ist das eine echte Ansage.

Auch das Cross-Play-Feature verdient Applaus. Während Branchenriesen wie 2K jahrelang keine vernünftige plattformübergreifende Infrastruktur hinbekommen haben, liefert Play by Play Studios ein von Grund auf funktionierendes Cross-Play auf allen Plattformen. Gleichzeitig fehlen grundlegende Kommunikationstools, ein Ping-System, Voice-Chat, oder wenigstens Emotes zur Absprache. Gerade im Solos-Modus, wo man mit Randoms zusammengesteckt wird, fehlt hier die Möglichkeit, auch nur elementare Spielzüge zu koordinieren.

Positiv zu vermerken ist auch, dass das Matchmaking flott läuft. Niemand wartet ewig auf ein Spiel, und wenn eine Runde verloren geht, ist man innerhalb von Sekunden wieder in einem neuen Turnier. Das nimmt dem Frust nach einer Niederlage den Stachel, was im Hinblick auf den Suchtfaktor clever kalkuliert ist.

CPU
Ryzen 7 7800X3D
GPU
RTX 5070 Ti
RAM
32GB DDR5 6000 MHz CL30
Mainboard
ASUS ROG STRIX B650E-F GAMING WIFI
SSD
4TB Samsung Evo Pro NVMe
OS
Windows 11
Monitor
ASUS ROG Swift PG32UCDMZ 32 Zoll 4K QD-OLED
Auflösung
2160p

Fundament mit Rissen

Für 29,99 € in der Standard-Edition bekommt man ein technisch poliertes Spiel mit großem Herz und spürbarer Leidenschaft der Macher. Ob NBA THE RUN eine Zukunft hat, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell und wie konsequent Play by Play Studios mit Content-Updates nachliefert.

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Was das Spiel braucht, ist eine klare Richtung für die nächsten Monate: mehr Courts, mehr Spieler, weitere Modi, bessere Balance. Wenn das Studio diese Punkte angeht und Wort hält, hat NBA THE RUN das Potenzial, ein Dauerbrenner für die Arcade-Basketball-Community zu werden. Wenn nicht, riskiert es, ein weiteres Spiel zu werden, das in drei, vier Monaten niemand mehr spielt.

Das Fundament ist gut. Sogar richtig gut. Aber ein Fundament ist noch kein Haus.

NBA THE RUN

NBA THE RUN
72
👍Gut

NBA THE RUN

Publisher: Play by Play Studios • Developer: Play by Play Studios 9.6.2026
Grafik80%
Gameplay80%
Inhalt58%
Preis / Leistung70%

Positives

  • +Spielgefühl ist erstklassig: schnell, präzise und reaktiv ohne Kompromisse
  • +Einzigartiger, handgezeichneter Comic-Stil hebt sich stark von der Konkurrenz ab
  • +Rollback-Netcode sorgt für stabiles und faires Online-Erlebnis – außergewöhnlich für das Genre
  • +Cross-Play zwischen PS5, Xbox und PC funktioniert ab Tag eins reibungslos
  • +Keine Mikrotransaktionen – alle Cosmetics werden durch Gameplay freigeschaltet
  • +Bobbito Garcia als Kommentator verleiht dem Spiel echte Streetball-Seele
  • +Spieler fühlen sich authentisch unterschiedlich an, Teamzusammenstellung hat taktische Tiefe
  • +Rotierende Regelwerke pro Match halten den Gameplay-Loop frisch und unberechenbar
  • +Internationale Courts mit echter kultureller Sorgfalt gestaltet
  • +Fairer Einstiegspreis von 29,99 €

Negatives

  • -Nur ein einziger Spielmodus zum Launch – kein Offline-Angebot, keine Story, kein Karrieremodus
  • -Kein lokaler Couch-Multiplayer, der zum Genre eigentlich dazugehört
  • -Kein Create-a-Player-Feature
  • -Balance zwischen großen und kleinen Spielern noch deutlich ausbaufähig
  • -Dreifacher Einsatz desselben Spielers im Team ist möglich und zerstört das Gleichgewicht
  • -Keine Kommunikationstools im Spiel (Ping-System, Voice-Chat, taktische Emotes)
  • -Fehlende Roadmap und spärliche Entwicklerkommunikation lassen Fragen zur Zukunft offen

Fazit

NBA THE RUN ist etwas, das die Gaming-Welt lange gebraucht hat: ein echtes, lizenziertes Arcade-Basketballspiel, das sich traut, einen anderen Weg zu gehen als das Jahres-Simulationssystem von 2K. Es spielt sich fantastisch, sieht einzigartig aus, läuft technisch sauber, und hat mit Bobbito Garcia jemanden am Mikrofon, der die Seele des Streetball versteht wie kaum ein anderer. Das ist nicht wenig. Aber es ist auch nicht genug, um uneingeschränkt zu feiern. Das fehlende Offline-Angebot, der fehlende Couch-Multiplayer, ein einziger vollwertiger Spielmodus und Balance-Probleme trüben das Gesamtbild spürbar. Wer Basketball-Nostalgie sucht und unkompliziertes, schnelles Online-Gaming mag, wird hier seinen Spaß haben. Wer erwartet, dass NBA THE RUN das komplette NBA-Street-Erlebnis auf modernem Level repliziert, wird enttäuscht sein. Play by Play Studios hat das Richtige gebaut. Jetzt müssen sie liefern.

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