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The Mound: Omen of Cthulhu - Wenn der Wahnsinn zum Mitspieler wird

Entwickelt vom chilenischen Studio ACE Team und veröffentlicht von Nacon, wagt sich The Mound: Omen of Cthulhu in ein Genre, das aktuell praktisch aus allen Nähten platzt: Koop-Extraction-Horror. Was das Spiel aber von der Konkurrenz abhebt, ist sein unverhohlener Lovecraft-Bezug samt einem Wahnsinnssystem, das jede Session spürbar anders verlaufen lässt. Ich habe mir das Spiel für dieses Review vorgenommen, sowohl solo mit KI-Begleitern als auch im Zweier & Vierer-Team mit Freunden, um ein möglichst vollständiges Bild zu bekommen. Das Ergebnis ist ein Spiel, das mich streckenweise regelrecht gepackt hat, an anderen Stellen aber auch ordentlich an meiner Geduld gekratzt hat.

The Mound: Omen of Cthulhu - Wenn der Wahnsinn zum Mitspieler wird
Dieses Spiel wurde uns vom Publisher kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung.

Ein Dschungel, der nicht vergessen will

Ohne zu viel zu verraten, lässt sich die Prämisse recht knapp zusammenfassen: Man schlüpft in die Rolle einer Gruppe von Schatzsuchern, die sich in einem von der Außenwelt weitgehend abgeschnittenen Dschungel wiederfindet, in dem Expeditionen vor einem bereits gescheitert sind. Verstreute Tagebücher, halb verfallene Außenposten und die Überreste früherer Abenteurer erzählen nach und nach, was hier eigentlich passiert ist, und warum der titelgebende "Mound", ein sagenumwobener Hügel, der unermessliche Reichtümer verbergen soll, so viele Menschen ins Verderben gezogen hat. Die eigentliche Handlung wird bewusst häppchenweise über Notizen, Schriftstücke und Umgebungsdetails vermittelt, statt in Zwischensequenzen heruntergebetet zu werden. Das passt hervorragend zum Cthulhu-Mythos, in dem das schrittweise Begreifen des eigenen Wahnsinns oft interessanter ist als die reine Handlung selbst.

The Mound: Omen of Cthulhu

Die eigentliche Aufgabe der Spieler ist dabei denkbar klar umrissen: Man bricht in kleinen Teams zu Expeditionen auf, muss innerhalb möglichst viel wertvolle Beute, Ausrüstung und Hintergrundwissen sammeln, und anschließend lebend an einem der Extraktionspunkte zurück in die relative Sicherheit gelangen. Klingt simpel, wird aber durch die zunehmende Dunkelheit, die aggressiver werdenden Kreaturen und die schwindende geistige Gesundheit der eigenen Figur zu einem echten Nervenkitzel. Wer zu gierig wird und zu lange bleibt, riskiert, dass es im Dschungel richtig ungemütlich.

Gameplay zwischen cleverer Anspannung und frustrierenden Kanten

Das Herzstück von "The Mound" ist zweifellos die namensgebende Madness-Mechanik. Je länger man sich in der gefährlichen Umgebung aufhält, je mehr gruselige Begegnungen man übersteht und je mehr verstörende Funde man macht, desto stärker beginnt die Wahrnehmung der eigenen Figur zu kippen. Plötzlich flackern Schatten an Stellen, an denen eigentlich nichts sein sollte, Geräusche verschieben sich, und man fängt an, der eigenen Umgebung nicht mehr zu trauen. Für mich war genau das der Moment, in dem das Spiel am besten funktioniert: Man weiß nie ganz genau, ob die Gefahr real ist oder nur ein Produkt der eigenen zerrütteten Psyche. Auch andere Spieler können ihr zum Opfer fallen, indem man sich fortan als Kretur sieht. Einfache Stöcker werden zu Waffen und wenn man versucht zu nutzen, wird man durch die zerbrochene Illusion enttäuscht. Dadurch verläuft praktisch jede Mission anders, selbst wenn man dieselbe Karte schon mehrfach gespielt hat, denn die Halluzinationen sorgen dafür, dass sich Routen, Begegnungen und das Gefühl von Sicherheit ständig neu anfühlen.

The Mound: Omen of CthulhuThe Mound: Omen of Cthulhu

Spielerisch bewegt man sich zwischen Erkundung, Ressourcenmanagement und Kämpfen gegen die Lovecraft'schen Kreaturen, die einem im dichten Grün auflauern. Genau hier zeigt sich aber auch die größte Schwäche des Spiels. Das Kampfsystem wirkt in seiner aktuellen Form noch etwas unausgereift: Nahkampfwaffen treffen nicht immer so, wie man es erwarten würde, und gerade in den späteren, schwierigeren Abschnitten braucht man gegen manche Gegner spürbar mehr Treffer, als man aufgrund der Waffenbeschreibung vermuten würde. Das führt dazu, dass Auseinandersetzungen sich manchmal eher zäh als spannend anfühlen, besonders wenn man mit unpassender Ausrüstung in eine Nachtmission gerät, weil die Startausrüstung bei jeder Expedition zufällig zusammengestellt wird. Wer sich also darauf freut, seine Lieblingswaffe gezielt mitzunehmen, wird hier zunächst enttäuscht, auch wenn dieses Zufallsprinzip gleichzeitig für Abwechslung sorgt und einen zwingt, mit dem zu improvisieren, was man gerade zur Verfügung hat.

The Mound: Omen of Cthulhu

Positiv fällt dagegen auf, wie viel Mühe sich die Entwickler beim Leveldesign gegeben haben. Die Wege zwischen Startpunkt und Extraktion sind selten stur linear, sondern bieten regelmäßig Abkürzungen, Umwege und optionale Bereiche, die mit zusätzlichem Risiko, aber auch zusätzlicher Belohnung locken. Diese Entscheidungsfreiheit macht das Erkunden angenehm dynamisch und verhindert, dass sich die Routen zu schnell abnutzen. Auch das Fortschrittssystem, bei dem man neue verlassene Außenposten als zusätzliche Startpunkte für kommende Expeditionen freischalten kann, motiviert dazu, wirklich jeden Winkel der Karte im Blick zu behalten.

Ein Punkt, der mir im Koop besonders aufgefallen ist: Wer solo unterwegs ist, bekommt KI-Begleiter zur Seite gestellt, die zwar keine Wunder vollbringen, aber durchaus nützlich beim Einsammeln von Beute und beim Ablenken von Gegnern sind. Wer hingegen mit Freunden spielt, sollte auf gelegentliche Synchronisationsprobleme gefasst sein. In meinen eigenen Sessions kam es mehrfach vor, dass bereits besiegte Gegner für einen Mitspieler noch sichtbar auf der Karte herumstanden, während sie für mich längst verschwunden waren (vielleicht aber auch Teil der Psyche-Mechanik), oder dass Treffer nicht sauber zwischen den Spielern übertragen wurden. Das trübt die ansonsten packende Koop-Erfahrung spürbar und ist definitiv eine Stelle, an der noch nachgebessert werden sollte.

The Mound: Omen of CthulhuThe Mound: Omen of Cthulhu

Ein weiterer Punkt, der mir negativ aufgefallen ist: Die Spielfigur kann nicht springen. Problematisch wird es dann, wenn genau diese eingeschränkte Bewegungsfreiheit mit schlecht platzierten Objekten kollidiert. In einer meiner Expeditionen blieb der Karren, auf dem sich gesammelte Beute ablegen lässt und an dem man gefallene Mitspieler wiederbeleben kann, an einer ungünstigen Stelle stehen und versperrte einen schmalen Durchgang vollständig. Weder ich noch meine Mitspieler kamen an ihm vorbei, ein Sprung über das Hindernis war schlicht nicht möglich, und wir mussten nach einer Alternative suchen. Gut, dass man per Makro den Karrenfahrer zu sich rufen kann, denn so konnten wir unseren Rückweg wieder öffnen, indem wir den Karren weiter haben fahren lassen. Für ein Spiel, das ohnehin mit "begrenzten Zeitfenstern" arbeitet, ist so ein Blockade-Bug besonders ärgerlich.

Grafik und Atmosphäre: Der wahre Star des Spiels

Wenn es eine Sache gibt, bei der "The Mound" fast uneingeschränkt überzeugt, dann ist es die audiovisuelle Präsentation. Der Dschungel wirkt lebendig und gleichzeitig bedrohlich, dichtes Blätterwerk versperrt die Sicht, während in der Ferne unheilvolle Geräusche zu hören sind, die man nicht immer zuordnen kann. Das Wettersystem trägt maßgeblich zur Stimmung bei: Mal zieht nur ein leichter Nieselregen auf, dann wieder verwandelt sich der Himmel in ein stürmisches Chaos, und in besonders unheimlichen Momenten legt sich ein dichter, fast schon endzeitlich wirkender Nebel über die Umgebung, durch den feine Asche rieselt. Diese wechselnden Bedingungen sorgen nicht nur für optische Abwechslung, sondern beeinflussen auch spürbar, wie gefährlich sich eine Expedition anfühlt.

The Mound: Omen of Cthulhu

Auch die Kreaturen, denen man im Laufe des Spiels begegnet, sind liebevoll und vor allem abwechslungsreich gestaltet. Von schleimigen, kaum greifbaren Wesen bis hin zu imposanten, mehrere Meter großen Monstrositäten ist alles dabei, was das Lovecraft-Herz höherschlagen lässt. Wer die technischen Voraussetzungen dafür mitbringt, kann sich zusätzlich an hochauflösenden Texturen erfreuen, die vor allem Details wie verwitterte Ruinen, altes Blattwerk und die Beute selbst noch einmal deutlich aufwerten. Apropos Beute: Gefundene Gegenstände werden mit einer kleinen, stimmungsvollen Nahaufnahme präsentiert, sobald man sie aufhebt. Das mag für manche unnötig aufgesetzt wirken, ich persönlich fand diese kleinen Inszenierungen aber eine nette Ergänzung, die dem Loot mehr Gewicht verleiht.

Musikalisch untermalt wird das Ganze mit einem düsteren, oft minimalistischen Soundtrack, der sich geschickt zurückhält, um im richtigen Moment umso wirkungsvoller einzusetzen. In Kombination mit den bereits erwähnten Halluzinationseffekten entsteht so eine Atmosphäre, die mich tatsächlich mehr als einmal nervös gemacht hat, obwohl ich eigentlich wusste, dass gerade "nur" meine Wahrnehmung mit mir spielt.

Sonstige Features: Kleine Details mit großer Wirkung

Neben den großen Systemen gibt es einige kleinere Features, die dem Spiel zusätzlichen Charme verleihen. Besonders erwähnenswert ist der Hund, der auf dem Expeditionsschiff lebt und den man zwischen den Ausflügen streicheln kann, eine kleine, aber liebevolle Geste, die dem sonst eher düsteren Setting einen warmen Kontrastpunkt gibt. Auch das Charaktersystem verdient Anerkennung: Bereits zum Start stehen mehrere spielbare Figuren zur Verfügung, die sich in Herkunft und Hintergrundgeschichte unterscheiden, und laut Aussagen der Entwickler sollen im Laufe der Zeit noch deutlich mehr Charaktere hinzukommen. Wer sich für die Deluxe-Fassung entscheidet, bekommt direkt zwei zusätzliche Figuren spendiert. Dieses langfristig angelegte Freischaltsystem für weitere Spielfiguren sorgt dafür, dass man auch nach den ersten Spielstunden noch Ziele vor sich hat, auf die man hinarbeiten kann.

The Mound: Omen of CthulhuThe Mound: Omen of Cthulhu

Was mir persönlich aufgefallen ist: Die spielbaren Charaktere unterscheiden sich bislang ausschließlich optisch voneinander. Es gibt keine Talentbäume, keine individuellen Fähigkeiten und auch sonst keine mechanischen Unterschiede zwischen den Figuren. Wer sich für einen bestimmten Charakter entscheidet, tut dies also rein aus Sympathie zum Aussehen oder zur Hintergrundgeschichte, nicht wegen eines spielerischen Vorteils. Das ist eine zweischneidige Sache: Auf der einen Seite fehlt dadurch eine gewisse taktische Tiefe, die man aus anderen Koop-Titeln mit festen Rollen wie Tank, Heiler oder Schadensausteiler gewohnt ist, und man zieht ohne jede individuelle Stärke oder Schwäche in jede Expedition. Auf der anderen Seite verhindert genau dieses System aber auch, dass eine Gruppe benachteiligt ist, nur weil eine bestimmte Rolle nicht besetzt wurde, oder dass sich am Ende doch wieder eine "Meta" mit optimalen Charakterkombinationen herausbildet. Gerade für ein Spiel, bei dem laut Entwicklern noch deutlich mehr Charaktere folgen sollen, ist das eine interessante Designentscheidung, die ich mit gemischten Gefühlen betrachte.

Sprachlich bietet das Spiel eine englische Vertonung mit deutschen Untertiteln, was gerade für alle, die mit britischem Akzent auf Kriegsfuß stehen, angenehm zugänglich ist. Der Cross-Plattform-Support zwischen PC, PlayStation 5 und Xbox Series X/S ist grundsätzlich vorhanden, wie gut die Verbindung zwischen den Plattformen im Alltag tatsächlich funktioniert, kann ich aus eigener Erfahrung allerdings nur bedingt beurteilen, da meine Testrunden überwiegend auf derselben Plattform stattfanden.

The Mound: Omen of CthulhuThe Mound: Omen of Cthulhu
The Mound: Omen of Cthulhu
76
👍Gut

The Mound: Omen of Cthulhu

Publisher: Nacon • Developer: ACE Team 15.7.2026
Grafik85%
Gameplay70%
Inhalt75%
Preis / Leistung75%

Positives

  • +Dichte, überzeugend inszenierte Lovecraft-Atmosphäre mit stimmiger Musik und Sounddesign
  • +Wahnsinnssystem sorgt für spürbar unterschiedliche Erfahrungen bei jeder Expedition
  • +Abwechslungsreiches, nicht-lineares Leveldesign mit mehreren Routen
  • +Dynamisches Wettersystem, das die Stimmung stark beeinflusst
  • +Vielfältige und liebevoll gestaltete Monster
  • +Mehrere freischaltbare Charaktere mit weiterem Ausbaupotenzial
  • +Keine Rollenzwänge durch fehlende Talentbäume; keine Gruppe wird durch unbesetzte Rollen benachteiligt

Negatives

  • -Unausgereiftes Kampfsystem mit inkonsistentem Trefferverhalten
  • -Zufällige statt frei wählbare Startausrüstung pro Expedition
  • -Synchronisationsprobleme im Koop-Modus (unsichtbare/verschwundene Gegner, Treffer werden nicht übertragen)
  • -Steiler Schwierigkeitsanstieg in späteren Gebieten
  • -Keine Talentbäume oder individuelle Fähigkeiten – Charakterwahl rein kosmetisch, dadurch fehlt taktische Tiefe
  • -Eingeschränkte Sprungmechanik, die in Kombination mit ungünstig platzierten Objekten (z. B. dem Beute-/Wiederbelebungskarren) den Weg komplett blockieren kann

Fazit

The Mound: Omen of Cthulhu ist ein Spiel, das genau weiß, worin seine Stärken liegen, und diese auch konsequent ausspielt. Die dichte, von Lovecraft inspirierte Atmosphäre, das clevere Wahnsinnssystem und das durchdachte Leveldesign sorgen für Spannung, die man in dieser Form selten in einem Extraction-Titel findet. Gleichzeitig merkt man dem Spiel an einigen Stellen deutlich an, dass es noch nicht vollständig ausgereift ist. Das Kampfsystem und gelegentliche Synchronisationsprobleme im Koop trüben den ansonsten positiven Gesamteindruck. Wer bereit ist, über diese Kanten hinwegzusehen, und sich stattdessen auf eine wirklich einzigartige, immersive Horror-Erfahrung einlässt, wird mit The Mound jedoch einen Titel finden, der noch lange in Erinnerung bleibt, gerade weil keine zwei Expeditionen sich jemals wirklich gleich anfühlen. ACE Team hat hier ein solides Fundament geschaffen, auf dem sich mit ein paar gezielten Patches durchaus noch ein echtes Genre-Highlight entwickeln könnte.

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