Anspruch trifft Frust
Auf den ersten Blick macht Project Motor Racing vieles richtig. Die Fahrphysik gehört klar zur ernsthaften Simulations-Ecke: Fahrzeuge verhalten sich anspruchsvoll, reagieren sensibel auf Gas, Bremsen und Gewichtsverlagerung. Besonders mit Lenkrad entfaltet sich hier ein überzeugendes Fahrgefühl, das viel Feingefühl verlangt.

Doch genau hier beginnt auch das Problem. Mit Controller wird das Handling schnell nervös und unforgiving, kleine Fehler führen sofort zum Dreher. Noch gravierender ist jedoch die KI: Gegner halten stur an ihrer Ideallinie fest, egal ob der Spieler dort bereits fährt oder nicht. Kollisionen wirken dadurch nicht wie Rennunfälle, sondern wie unvermeidbare Skriptmomente.
Zusätzlich sorgen die extrem strengen Streckenbegrenzungen für Frust. Bereits minimale Abweichungen werden konsequent bestraft, selbst wenn man durch Fremdeinwirkung von der Strecke gedrängt wurde. Das nimmt vielen Rennen die Fairness und Motivation.
Grafik & Präsentation – Solide, aber eigenwillig
Optisch bewegt sich das Spiel auf einem guten Niveau, ohne wirklich zu glänzen. Die Fahrzeuge sind detailliert modelliert und die Streckenlayouts wirken authentisch. Besonders der dynamische Tag-Nacht-Wechsel bringt Atmosphäre ins Geschehen.
Im direkten Vergleich mit Genre-Größen zeigt sich recht deutlich, wo sich Project Motor Racing visuell einordnet. Während ein Forza Horizon 5 mit kräftigen Farben, spektakulären Lichtstimmungen und fast schon cineastischer Inszenierung glänzt, bleibt der Look hier bewusst nüchterner und stärker auf Funktionalität ausgelegt. Auch ein Gran Turismo 7 setzt in Sachen Detailtiefe, Beleuchtung und Präsentation aktuell Maßstäbe, die Project Motor Racing nicht ganz erreicht.

Selbst im Vergleich zum etwas älteren Project CARS 3 fehlt es stellenweise an Atmosphäre und visuellem Feinschliff. Dennoch bedeutet das nicht, dass das Spiel schlecht aussieht: Fahrzeugmodelle und Strecken sind sauber umgesetzt und erfüllen den Simulationsanspruch, auch wenn der große Wow-Effekt ausbleibt.
Auch kleinere Präsentationsdetails, etwa fiktive Streckennamen trotz realer Layouts, reißen aus der Immersion heraus. Die UI ist grundsätzlich funktional aufgebaut: Menüs sind logisch strukturiert, wichtige Optionen wie Fahrzeugwahl, Setups oder Rennparameter lassen sich ohne große Umwege erreichen. Gerade Sim-Racing-Veteranen werden sich hier schnell zurechtfinden, weil vieles vertraut wirkt und nicht unnötig verspielt ist.

Hinzu kommt, dass einige Abläufe unnötig umständlich wirken, etwa beim Wechsel zwischen Modi oder beim Setup-Management. Nichts davon ist ein Dealbreaker, aber es trägt dazu bei, dass sich das Spiel insgesamt etwas sperriger anfühlt, als es eigentlich sein müsste.
Gute Basis mit Luft nach oben
Inhaltlich bietet Project Motor Racing eine solide Grundlage. Rund 70 Fahrzeuge aus verschiedenen Klassen sorgen für Abwechslung, von Einsteiger-Rennwagen bis hin zu modernen Hypercars. Der Karrieremodus erlaubt es, ein eigenes Team aufzubauen, inklusive Sponsorenwahl und Budgetentscheidungen - ein klarer Pluspunkt.
Zusätzlich gibt es klassische Modi wie Einzelrennen, Herausforderungen und Multiplayer. Letzterer leidet jedoch unter einer vergleichsweise kleinen Spielerschaft, was Wartezeiten und unausgeglichene Rennen begünstigt.

Soundtechnisch ist das Spiel ordentlich, aber nicht herausragend. Motoren klingen okay, erreichen jedoch nicht die Wucht, die man von echten Rennwagen erwartet. Kollisionen wirken akustisch überraschend unspektakulär.
Gleichzeitig ist klar erkennbar, dass Project Motor Racing nicht als abgeschlossenes Produkt gedacht ist, sondern als Plattform, die über Updates weiter wachsen soll. Geplante Verbesserungen bei KI, Fahrgefühl und Präsentation könnten dem Titel langfristig genau den Feinschliff geben, der aktuell noch fehlt - vorausgesetzt, die Entwickler liefern hier konsequent nach.




