LinkedHome LogoLinkedHome

Solarpunk

Survival-Spiele verbinden viele Spieler inzwischen automatisch mit Hungerleisten, Monsterangriffen und dem ständigen Gefühl, niemals genug Ressourcen zu besitzen. In den vergangenen Jahren hat sich das Genre allerdings spürbar verändert. Neben den großen Hardcore-Vertretern entstand eine neue Welle an entspannteren Survival-Erlebnissen, die weniger auf Stress und mehr auf Kreativität setzen. Genau hier reiht sich Solarpunk ein.

Solarpunk
Dieses Spiel wurde uns vom Publisher kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung.

Das Indie-Projekt von Cyberwave verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz. Statt zerstörter Welten, Zombie-Apokalypsen oder lebensfeindlicher Planeten erwartet euch hier eine optimistische Zukunft. Gewalt steht nicht im Mittelpunkt, Ressourcen werden nachhaltig genutzt und der technische Fortschritt basiert auf Wind, Wasser und Sonnenenergie. Dazu gesellen sich fliegende Inseln, ein konstruierbares Luftschiff und eine Atmosphäre, die eher an einen entspannten Sommerabend erinnert als an einen klassischen Überlebenskampf. Laut den Entwicklern soll Solarpunk bewusst kein riesiges AAA-Survival mit hunderten Stunden Story sein, sondern ein gemütliches Sandbox-Erlebnis, das Kreativität und gemeinsames Bauen in den Vordergrund stellt. Genau so etwas ähnliches hatten wir auch schon bei Outbound.

Solarpunk

Die große Frage lautet deshalb nicht, ob Solarpunk mit Genre-Größen wie Valheim, Rust oder Subnautica konkurrieren kann. Viel interessanter ist die Frage, ob das Spiel seine eigene Vision konsequent umsetzt. Kann ein Spiel auch ohne permanente Gefahr langfristig motivieren? Oder verliert sich die friedliche Grundidee irgendwann in Routine und Wiederholung?

Keine Story, dafür potentielle Entwicklung

Wer in Solarpunk eine klassische Kampagne mit aufwendig inszenierten Zwischensequenzen erwartet, sollte seine Erwartungen anpassen. Bereits vor dem Release machten die Entwickler deutlich, dass das Spiel keine Story-Kampagne und keine klassische Queststruktur besitzt. Stattdessen dient die Welt selbst als Rahmen für das eigentliche Spielerlebnis. Solarpunk möchte euch nicht permanent mit Dialogen oder Aufgabenlisten beschäftigen. Vielmehr entsteht die Motivation aus dem eigenen Fortschritt. Das eigentliche Ziel besteht darin, aus einer kleinen Basis nach und nach ein autarkes Zuhause in den Wolken aufzubauen. Das mag auf den ersten Blick simpel wirken, doch genau diese Freiheit macht einen großen Teil des Charmes aus. Jeder Spieler setzt sich seine eigenen Ziele. Manche konzentrieren sich auf den perfekten Garten, andere auf komplexe Energie-Netzwerke oder den Bau eines möglichst eindrucksvollen Luftschiffs.

Solarpunk

Der Gameplay-Loop – Sammeln, bauen, wachsen

Im Kern folgt Solarpunk einer bekannten Formel. Ihr sammelt Rohstoffe, verarbeitet diese weiter, schaltet neue Technologien frei und erweitert eure Basis Stück für Stück. Der Unterschied liegt allerdings in der Präsentation. Während viele Genre-Kollegen den Spieler permanent unter Druck setzen, verfolgt Solarpunk einen fast schon meditativen Ansatz. Nahrung anzubauen fühlt sich nicht wie eine lästige Pflicht an, sondern wie ein natürlicher Teil des Spielflusses. Auch das Ressourcenmanagement wirkt deutlich entspannter.

Solarpunk

Schon die ersten Spielstunden zeigen sehr deutlich, worauf Cyberwave den Fokus gelegt hat. Holz, Steine und andere Materialien werden gesammelt, Werkbänke gebaut und erste Energiequellen errichtet. Schnell entstehen Solarpaneele, Windturbinen und Batteriesysteme, die eure kleine Basis zunehmend unabhängig machen. Das gesamte Energiesystem gehört zu den spannendsten Mechaniken des Spiels, denn Strom wird tatsächlich über verschiedene nachhaltige Quellen erzeugt und gespeichert. Wetterbedingungen beeinflussen dabei die Effizienz eurer Anlagen.

Besonders gelungen ist dabei, wie organisch sämtliche Systeme ineinandergreifen. Ressourcen werden gesammelt, Energie erzeugt neue Möglichkeiten, diese wiederum erlauben Automatisierung und schaffen Freiraum für kreative Projekte. Genau hier entfaltet Solarpunk seine größte Stärke.

Solarpunk

Das Bausystem – Kreativität statt Restriktionen

Wenn man Solarpunk auf ein einziges Feature reduzieren müsste, dann wäre es zweifellos das Bauen. Das Spiel gibt euch eine bemerkenswerte Freiheit beim Errichten eurer Basis. Unterschiedliche Baumaterialien, Dekorationen und Module ermöglichen den Bau kleiner Hütten ebenso wie riesiger Wolkenvillen. Besonders angenehm fällt dabei die Benutzerführung auf. Viele Survival-Spiele erschlagen Neueinsteiger mit komplexen Menüs oder unübersichtlichen Crafting-Bäumen. Solarpunk bleibt dagegen erstaunlich zugänglich. Neue Rezepte werden nachvollziehbar freigeschaltet und das Platzieren von Objekten funktioniert intuitiv.

Solarpunk

Der große Unterschied zu vielen Konkurrenten liegt allerdings in der Atmosphäre. Während man in anderen Spielen häufig möglichst effizient bauen möchte, lädt Solarpunk regelrecht dazu ein, Zeit in Details zu investieren. Kleine Gärten, gemütliche Sitzbereiche oder dekorative Lichtquellen besitzen keinen spielerischen Zwang, verleihen der Basis aber eine ganz eigene Persönlichkeit. Mit jeder Stunde wächst dadurch auch die emotionale Bindung zum eigenen Zuhause.

Ein weiterer zentraler Bestandteil von Solarpunk ist die Landwirtschaft. Obst, Gemüse und verschiedene Pflanzen bilden die Grundlage der eigenen Versorgung. Anders als in vielen Survival-Spielen steht dabei jedoch nicht der Kampf gegen Hunger im Mittelpunkt. Farming dient vielmehr als natürlicher Bestandteil des Fortschrittssystems. Besonders interessant wird es, sobald die ersten Automatisierungsmechaniken freigeschaltet werden. Transportdrohnen übernehmen Sammelaufgaben, Bewässerungssysteme kümmern sich um Felder und das gesamte Produktionsnetzwerk entwickelt sich Stück für Stück zu einer autarken Infrastruktur. Das erinnert stellenweise an Titel wie Satisfactory oder The Planet Crafter, bleibt dabei aber deutlich zugänglicher und entspannter.

Solarpunk

Das Luftschiff – Mehr als nur ein Transportmittel

Während Outbound seinen Van besitzt, hat Solarpunk sein Luftschiff. Und genau dieses Luftschiff entwickelt sich im Verlauf des Spiels fast schon zur heimlichen Hauptfigur. Sobald die ersten technischen Voraussetzungen erfüllt sind, dürft ihr euer eigenes Fluggerät bauen und damit zwischen den schwebenden Inseln reisen. Das verändert das Spielgefühl enorm.

Plötzlich wirkt die Welt deutlich größer. Neue Ressourcen, unbekannte Inseln und versteckte Plätze warten darauf entdeckt zu werden. Gleichzeitig vermittelt das Reisen durch die Wolken ein außergewöhnliches Gefühl von Freiheit. Natürlich darf man hier keine komplexe Flugsimulation erwarten. Die Steuerung bleibt bewusst zugänglich und unterstützt den entspannten Charakter des Spiels. Gerade dadurch entsteht aber eine sehr angenehme Dynamik, die perfekt zum restlichen Gameplay passt.

Solarpunk

Bei meinem Jungernflug bin ich beim Andocken direkt ins Dock gekracht und habe sämtliche Ressourcen, die ich auf meinen Flug entdeckt und gesammelt habe, verloren. Das ist ein Ärgernis, was einen gleich mal um Stunden zurück versetzt. Die schönen Melonen, die ich für den Händler anbauen wollte, einfach futsch. Hier sollte meiner Meinung nach die Kiste mit Utensilien vielleicht auf die Insel platziert werden, sodass nichts verloren geht.

Die Welt – Wunderschön, aber nicht riesig

Optisch gehört Solarpunk definitiv zu den auffälligeren Vertretern seines Genres. Die schwebenden Inseln wirken wie eine Mischung aus Science-Fiction und Naturidylle. Überall wachsen Pflanzen zwischen Gebäuden, Sonnenstrahlen brechen durch Wolkendecken und Windräder drehen sich langsam am Horizont.

Gerade bei Sonnenuntergang entstehen beeindruckende Bilder. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass Solarpunk keine gigantische Open World besitzt. Die Entwickler kommunizierten bereits vor Release, dass das Spiel auf eine überschaubare Anzahl handgefertigter Inseln und lediglich zwei Biome setzt. Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits wirkt jede Insel bewusst gestaltet und besitzt ihren eigenen Charakter. Andererseits kann das Erkunden nach einigen Stunden etwas an Überraschungsmomenten verlieren.

Koop – Hier entfaltet Solarpunk sein volles Potenzial

Obwohl Solarpunk problemlos alleine spielbar ist, merkt man dem Spiel an, dass viele Mechaniken auf gemeinsames Spielen ausgelegt sind. Bis zu vier Spieler können gemeinsam bauen, Ressourcen sammeln und die Welt erkunden. Jeder besitzt dabei sein eigenes Inventar, während gleichzeitig gemeinschaftliche Projekte möglich bleiben. Gerade repetitive Aufgaben verlieren im Koop deutlich an Gewicht. Während ein Spieler neue Baumaterialien organisiert, kann ein anderer Felder bestellen oder das Energienetz erweitern. Gemeinsame Luftschiff-Touren gehören dabei ohne Zweifel zu den schönsten Momenten des Spiels.

SolarpunkSolarpunk

Technik & Langzeitmotivation

Technisch präsentiert sich Solarpunk insgesamt ordentlich. Die Performance bleibt über weite Strecken stabil und die Ladezeiten fallen angenehm kurz aus. Kleinere Clipping-Fehler oder gelegentliche Animationen, die nicht ganz sauber wirken, lassen sich zwar beobachten, bewegen sich aber im typischen Rahmen eines Indie-Projekts. Man merkt dem Spiel an, dass hier kein riesiges Studio mit hunderten Entwicklern gearbeitet hat. Gleichzeitig beeindruckt es, was ein kleines Team auf die Beine gestellt hat.

CPU
Ryzen 7 7800X3D
GPU
RTX 5070 Ti
RAM
32GB DDR5 6000 MHz CL30
Mainboard
ASUS ROG STRIX B650E-F GAMING WIFI
SSD
4TB Samsung Evo Pro NVMe
OS
Windows 11
Monitor
ASUS ROG Swift PG32UCDMZ 32 Zoll 4K QD-OLED
Auflösung
2160p

Hier liegt vermutlich der größte Kritikpunkt. Die ersten zehn bis fünfzehn Stunden gehören definitiv zu den stärksten Momenten des Spiels. Neue Baupläne, neue Technologien und das erste eigene Luftschiff sorgen ständig für Motivation. Später flacht diese Progression jedoch etwas ab. Wer hauptsächlich auf Story, Kämpfe oder ständig neue Gameplay-Mechaniken hofft, könnte irgendwann das Gefühl bekommen, alles Wichtige bereits gesehen zu haben. Die Entwickler selbst sprechen davon, dass nach etwa 20 Stunden der Fokus zunehmend auf Dekoration, Individualisierung und persönlichen Zielen liegt. Für Fans gemütlicher Sandbox-Spiele ist das völlig ausreichend. Spieler, die hunderte Stunden Content erwarten, sollten ihre Erwartungen allerdings entsprechend anpassen.

Solarpunk

Solarpunk
85
💎Großartig

Solarpunk

Publisher: rokaplay • Developer: Cyberwave 8.6.2026
Grafik90%
Gameplay85%
Inhalt78%
Preis / Leistung85%

Positives

  • +Wunderschöne Solarpunk-Atmosphäre mit einzigartigem Artstyle
  • +Kreatives und sehr zugängliches Bausystem
  • +Das Luftschiff sorgt für ein frisches Spielgefühl
  • +Intelligente Einbindung erneuerbarer Energien ins Gameplay
  • +Farming und Automatisierung greifen hervorragend ineinander
  • +Koop-Modus macht enorm viel Spaß
  • +Sehr stimmiges Sounddesign
  • +Hohe Individualisierungsmöglichkeiten für die eigene Basis
  • +Handgefertigte Inseln mit viel Charme

Negatives

  • -Keine klassische Story-Kampagne
  • -Langzeitmotivation nimmt später etwas ab
  • -Relativ überschaubare Spielwelt

Fazit

Ich muss gestehen, dass ich mich mehr und mehr in diesen Cozy-Games sehe und meine Vision in den Bauten auslebe. Dabei sei gesagt, dass Solarpunk kein Survival-Spiel für jeden ist. Wer auf Bosskämpfe, PvP oder hunderte Stunden Story-Inhalte hofft, dürfte hier eher enttäuscht werden. Stattdessen liefert Cyberwave ein Spiel ab, das sich ganz bewusst auf Ruhe, Kreativität und Erschaffen konzentriert. Das eigentliche Highlight ist dabei nicht das Crafting, nicht das Farming und auch nicht das Energiesystem allein. Es ist die Art, wie all diese Mechaniken miteinander verschmelzen. Das Errichten einer kleinen Basis, der Ausbau zu einem technisch ausgefeilten Zuhause und schließlich der erste Flug mit dem Luftschiff erzeugen eine besondere Form der Zufriedenheit, die man in diesem Genre nur selten erlebt. Natürlich besitzt Solarpunk Schwächen. Die Spielwelt könnte lebendiger sein, der Endgame-Inhalt umfangreicher und die Langzeitmotivation etwas stärker ausfallen. Trotzdem schafft es das Spiel, durch seine außergewöhnliche Atmosphäre und seinen positiven Grundgedanken einen ganz eigenen Platz innerhalb des Cozy-Genres einzunehmen. Manchmal braucht es eben keinen Weltuntergang, keine Monster und keine permanente Bedrohung, um Spieler für viele Stunden an den Bildschirm zu fesseln. Manchmal reicht eine kleine Insel über den Wolken, ein paar Solarpaneele und das Gefühl, sich sein eigenes Zuhause Stück für Stück selbst aufzubauen. Genau darin liegt die größte Stärke von Solarpunk.

Ähnliche Rezensionen

* In diesem Artikel sind Partner-Links enthalten, wir kennzeichnen ihn daher als Werbung. Durch einen Klick darauf gelangt ihr direkt zum Anbieter. Solltet ihr euch dort für einen Kauf entscheiden, erhalten wir eine kleine Provision. Für euch ändert sich am Preis nichts. Danke für eure Unterstützung!