
Der alte Held, neu eingekleidet
Wer Star Fox 64 kennt, weiß, was ihn erwartet. Die Geschichte hat sich kein bisschen verändert: Der wahnsinnige Wissenschaftler Andross, einst verbannt auf den Planeten Venom, hat seine Zeit genutzt und entfesselt eine vollständige Invasion des Lylat-Systems. General Pepper und die Corneria-Armee sind überfordert, also wird das Söldnerteam Star Fox engagiert, um das Schlimmste zu verhindern. Fox McCloud, frisch in der Rolle des Anführers nach dem Tod seines Vaters James, tritt an, um den Feind aufzuhalten und, ob er will oder nicht, auch die Vergangenheit seiner Familie aufzuarbeiten.

Was sich verändert hat, ist die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird. Velan Studios hat zwischen den Missionen vollwertige Zwischensequenzen eingebaut, die das Lylat-System und seine Bewohner mit echtem Leben füllen. Die Textboxen und kurzen Funksprüche des Originals reichten 1997 aus; 2026 ist das nicht mehr "State-of-the-Art". Dass sich die Entwickler die Mühe gemacht haben, jeden Missionsabschnitt kinematografisch zu rahmen, gibt der Geschichte eine Schwere und Dringlichkeit, die in den Vorgängern schlicht nicht vorhanden war. Die Invasion fühlt sich wie eine echte Bedrohung an. Die Entscheidung, welchen Weg man durchs Lylat-System nimmt, wird durch Story-Kontext motiviert statt durch reines Ausprobieren.

Auch das Charakterschreiben hat zugelegt, wenn auch nicht gleichmäßig. Fox McCloud wurde als rauerer, distanzierter Söldner-Archetyp neu interpretiert, ein Hauch Han Solo, weniger pflichtbewusster Held. Das passt zur Tonalität des Remakes und gibt der Figur etwas Eigenständiges. Die Beziehung zwischen Fox und Falco wurde von stumpfer Rivalität zu einer Art brüderlichen Freundschaft umgeschrieben, was ehrlich gesagt funktioniert. Slippy bekommt mehr Raum für seine technische Expertise. Peppy bleibt der zuverlässige Mentor.
Trotzdem sind die Cutscenes inhaltlich nicht immer auf der Höhe ihrer Ambitionen. Was optisch beeindruckend inszeniert ist, hat mitunter Drehbuch-Probleme: Die Witze zünden nicht immer, manche Dialoge fühlen sich generisch an, und Fox McCloud ist in seiner kühlen Söldner-Interpretation manchmal schwer zu mögen. Wenn er auf die Schrecken von Andross' Invasion mit stoischer Distanz reagiert, während Planeten brennen, wirkt das weniger cool als beabsichtigt. Das ist kein Deal-Breaker, aber es ist auch nicht das Schreiben, das dem Potenzial dieser Charaktere wirklich gerecht wird.

Ebenfalls neu: Der Holoviewer, eine Art In-Game-Enzyklopädie, die mit zunehmend freigeschalteten Einträgen zu Charakteren, Feinden, Planeten und Fraktionen gefüllt wird. Wer schon immer wissen wollte, was eigentlich Bill Grey vor seinem Auftritt in Katina so getrieben hat, bekommt hier endlich Antworten. Es ist ein kleines Feature, aber eines, das echten Fan-Service leistet und zum Erkunden einlädt.
1997 trifft 2026
Hier liegt die eigentliche Kernfrage des Remakes: Hält das Gameplay des Originals fast 30 Jahre später stand?
Die Antwort ist ein überzeugtes "Ja" und das sagt viel über die Brillanz des ursprünglichen Designs aus. Star Fox 64 war ein Meisterstück der Rail-Shooter-Architektur, und das ist es auch jetzt noch. Die Missionen sind auf Schienen, aber innerhalb dieser Schienen steckt eine Tiefe, die man erst mit mehreren Durchläufen wirklich begreift. Hochscores jagen, alle Feinde abschießen, Medaillen verdienen, Alternativrouten freischalten – das Spiel belohnt Können und Neugier auf eine Art, die sich auch heute nicht abgenutzt anfühlt.
Der Arwing steuert sich fantastisch. Barrel Roll, Looping, Bremsung – die Grundmechaniken sitzen, und wer einmal drin ist, wird den Flow-Zustand kennen, in dem man blitzschnell durch Asteroiden schlängelt und gleichzeitig Laser auf Bogeys lenkt, ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Neu hinzugefügte Joy-Con-Mausteuerung erlaubt präziseres Zielen im Maus-Modus des Switch 2, was sich nach etwas Eingewöhnung tatsächlich intuitiv anfühlt, auch wenn die Entscheidung, Fahrsteuerung und Zielen auf denselben Maus-Input zu legen, anfangs etwas verwirrend ist. Wer diesen Weg nicht mag, ist mit dem Pro Controller oder gar dem nostalgischen N64-Controller bestens bedient.

Technisch ist das Remake eine Klasse für sich. Velan Studios entwickelte das Spiel auf ihrer eigenen VIPER-Engine und liefert dabei durchgängig stabile 60 Frames pro Sekunde im Docked-Modus. Verglichen mit den teils zähen 15 bis 20 fps des N64-Originals oder den 30 fps des 3DS-Remakes eine fundamentale Verbesserung. Dazu kommt eine Auflösung um die 1440p im TV-Betrieb, was dem Spiel eine Schärfe und Geschmeidigkeit verleiht, die man sehen muss. Besonders bemerkenswert: Cutscenes und Gameplay werden in derselben Echtzeit-Pipeline gerendert – der harte Schnitt zwischen vorgerenderter Videosequenz und Spielgrafik, der ältere Nintendo-Spiele so oft aus dem Filmfluss gerissen hat, existiert hier schlicht nicht mehr.
Die 16 Missionen des Originals sind vollständig übernommen und ohne Ausnahme überarbeitet. Alternativrouten werden durch subtile Dialoghinweise leichter zugänglich gemacht, ohne die Überraschung komplett zu zerstören und wer trotzdem Hilfe braucht, kann nach Abschluss einer Mission die genauen Bedingungen einsehen. Das ist ein kluger Kompromiss zwischen Originaltreue und moderner Zugänglichkeit. Neu ist außerdem der Herausforderungsmodus, der zu jedem abgeschlossenen Level eigene Aufgaben mit Normal- und Expert-Schwierigkeit stellt. Das ist keine Spielerei, das ist echter Mehrwert: Der Herausforderungsmodus zeigt, wie viel versteckte Tiefe in den einzelnen Levels steckt, und ist für Hardcore-Fans eine echte Beschäftigung.
Der Multiplayer-Modus ist der am wenigsten überzeugende Teil des Pakets. Das 4-gegen-4-Teamformat mit objektbasierten Matches – Capture-the-Flag-ähnliche Szenarien, Ressourcen-Kontrolle, Power-Ups klingt auf dem Papier nach mehr als der rudimentäre Dogfight-Modus des Originals. Und es ist tatsächlich mehr. Aber es ist eben auch nicht wirklich gut. Der Modus fühlt sich an wie eine pflichtbewusste Erweiterung, die jemand hinzugefügt hat, weil ein Multiplayer-Modus ins Pflichtenheft gehört, nicht weil jemand wirklich Lust hatte, ihn zu bauen. Cross-Play zwischen verschiedenen Plattformen gibt es nicht – es ist Nintendo Switch 2 oder gar nichts. Und der Koop-Modus, bei dem ein Spieler fliegt und ein anderer schießt, klingt chaotisch und spaßig, entpuppt sich in der Praxis aber oft als Kampf gegen das eigene Team.

Das Lylat-System in seiner schönsten Form
Optisch ist dieses Remake schlicht beeindruckend. Corneria, einst ein buntes aber grafisch simples Level, ist jetzt ein echter Schauplatz: die klaren Gewässer der offenen Stadt im Kontrast zum brodelnden Kriegsgebiet aus Rauch, Trümmern und explodierten Gebäuden, das sich nach innen erstreckt. Aquas, das atmosphärische Unterwasser-Level, nutzt moderne Rendering-Technik, um die Tiefsee tatsächlich bedrohlich wirken zu lassen – kein Licht, außer dem, was der eigene Torpedo erhellt. Solar sieht aus wie ein echter Stern. Fortuna ist dschungelgrün und wild. Jedes Level hat seine eigene visuelle Identität und wurde mit erkennbarer Sorgfalt rekonstruiert.
Die Charakterdesigns der Star-Fox-Crew wurden neu gestaltet und werden die Community sicherlich noch länger beschäftigen. Die Anthropomorphen sind realistischer, körperlicher und weniger cartoonhaft als in jedem vorherigen Star-Fox-Spiel – ein Stil, der sich auch mit Fox' Auftritt im Super Mario Galaxy Movie deckt. Das ist ein klares, konsistentes Richtungsentscheidung. Ob man das mag oder nicht, ist Geschmackssache; aber dass es zum dunkleren, ernsteren Ton des Remakes passt, lässt sich nicht bestreiten.

Was den Sound betrifft: Der neu orchestrierte Soundtrack ist eine echte Überraschung. Die legendären Star-Fox-64-Melodien wurden von echten Instrumenten übernommen, mit Chorarrangements in den Boss-Kämpfen und einem symphonischen Gewicht, das die finale Konfrontation mit Andross zu einem tatsächlich bewegenden Erlebnis macht. Wer den Soundtrack des Originals liebt, wird hier nicht enttäuscht – er wird erweitert.
Die Sprachausgabe ist eine gemischtere Angelegenheit. Die neu aufgenommenen Sprecher und Performances sind technisch kompetent, aber sie haben nicht die schräge Persönlichkeit der Original-Sprachausgabe, die für viele Spieler zum kulturellen Gedächtnis gehört. "Do a barrel roll!", "I can't let you do that, Star Fox!" – diese Sätze sind für eine ganze Generation von Gamern unverrückbar. Neue Sprecherbesetzungen und neu interpretierte Dialoge können das schlicht nicht eins zu eins ersetzen, und manche Momente, die im Original Persönlichkeit hatten, klingen in der Neuinterpretation glatt und austauschbar.




