
GreedFall: The Dying World
Taktik statt Dauergekloppe
Wer den Vorgänger Greedfall gespielt hat, merkt sofort: Das Kampfsystem wurde radikal umgebaut. Statt reinem Action-RPG-Feeling setzt GreedFall: The Dying World stärker auf taktische Gefechte. Kämpfe laufen in Echtzeit, lassen sich aber pausieren, um Befehle für die Gruppe festzulegen, ein Ansatz, der stark an Klassiker wie Dragon Age: Origins oder Star Wars: Knights of the Old Republic erinnert und mit Zoom-Optionen sogar leichte Baldur's Gate 3-Vibes erzeugt.
Das funktioniert grundsätzlich gut, vor allem weil man alle Gruppenmitglieder direkt steuern kann. Fähigkeiten, Aktionspunkte und Statusleisten sorgen für taktische Tiefe. Problem: Das Spiel erklärt seine Systeme miserabel. Tutorials sind spärlich, wichtige Mechaniken verstecken sich hinter kaum erklärten Tastenkombinationen. Wer Geduld mitbringt, wird belohnt, wer sofort loslegen will, fühlt sich anfangs verloren.
Schön, aber unfertig
Visuell schwankt das Spiel zwischen beeindruckend und altbacken. Charaktermodelle und Rüstungen sind detailreich, während Hintergründe in Dialogen teilweise seltsam verschwommen wirken. Animationen sind steif, UI-Elemente wirken unfertig, und technische Probleme wie Ruckler, lange Ladezeiten oder seltene Freezes trüben den Eindruck.
Kurz gesagt: Man sieht das Potenzial, aber auch die Baustellen. Für eine Early-Access-Version akzeptabel, für ein fertiges Spiel wäre es zu wenig.
Atmosphärisch und konsequent
Inhaltlich liefert das Spiel das, was Fans am Vorgänger mochten: politische Konflikte, kulturelle Spannungen und moralische Entscheidungen mit Konsequenzen. Besonders gelungen ist der Perspektivwechsel. Statt eines neutralen Kolonisators spielt man diesmal eine indigene Figur, wodurch die Welt deutlich persönlicher und emotionaler wirkt.
Quests lassen sich auf verschiedene Arten lösen - diplomatisch, taktisch oder brutal. Entscheidungen beeinflussen Fraktionen, Beziehungen und Questverläufe. Dieses System sorgt für echte Rollenspiel-Freiheit und motiviert zum Experimentieren.
Vielversprechender Rohdiamant
Aktuell umfasst der Early Access weniger als 20 Stunden Inhalt, wobei die Entwickler bereits angekündigt haben, dass dies nur ein Bruchteil des finalen Spiels ist. Der Charaktereditor ist flexibel und inklusiv, das Klassensystem vielseitig, und Nebenaktivitäten wie Schlösser knacken oder Fallen entschärfen erweitern das Gameplay angenehm.
Allerdings merkt man an vielen Stellen, dass Feinschliff fehlt: Balancing-Spitzen, KI-Aussetzer und gelegentliche Zielerfassungsprobleme können Kämpfe unnötig frustrierend machen.






