
Zwischen persönlicher Schuld und kosmischem Wahnsinn
Im Zentrum der Handlung steht Arjun Devraj, verkörpert von Rahul Kohli, ein Vollstrecker einer Organisation namens Soltari. Seine Mission führt ihn auf den fremden Planeten Carcosa, ein Ort, der sich jeder Logik entzieht. Offiziell soll er und sein Team verschwundene Expeditionen aufspüren. Inoffiziell treibt ihn jedoch ein persönliches Motiv an, das sich nach und nach entfaltet. Klingt eigentlich fast genau wie einer der unzähligen Alien(s)-Geschichten.
Die Geschichte wird bewusst fragmentiert erzählt: über Gespräche, Logs und kurze Zwischensequenzen. Dabei verzichtet das Spiel auf klassische Gut-gegen-Böse-Strukturen und es entfaltet sich Stattdessen ein vielschichtiges Narrativ. Was besonders gelungen ist: Die Story drängt sich nie in den Vordergrund, sondern begleitet das Gameplay organisch. Wer tiefer eintauchen will, findet reichlich Hintergrundinformationen, wer einfach nur spielen möchte, wird nicht ausgebremst.

Deine Aufgabe als Spieler: Sterben, lernen, stärker zurückkehren
Die zentrale Mechanik von SAROS lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Scheitern ist Fortschritt.
Als Spieler erkundest du die sich ständig verändernde Welt von Carcosa, kämpfst gegen aggressive Alien-Kreaturen und sammelst Ressourcen. Stirbst du - und das wirst du oft - kehrst du in eine Basis zurück, behältst aber wichtige Fortschritte. Diese Struktur erinnert an Roguelite-Mechaniken, wird hier jedoch deutlich zugänglicher umgesetzt. Jeder Run hat einen klaren Zweck. Jeder Fehler bringt dich weiter. Deine Aufgabe ist es also nicht nur zu überleben, sondern das System zu verstehen, dich anzupassen und mit jeder Runde stärker zurückzukehren.

Präzision, Tempo und ein Hauch Wahnsinn
Wenn man SAROS auf einen einzigen Kern reduzieren müsste, dann wäre es das Gefühl von Kontrolle im absoluten Chaos. Housemarque hat bereits mit Returnal bewiesen, dass sie schnelle, präzise Action perfektionieren können, doch in SAROS wird dieses Konzept nicht einfach wiederholt, sondern konsequent weitergedacht. Schon nach den ersten Minuten wird deutlich, dass hier jede Bewegung, jede Eingabe und jede Reaktion des Spielers eine direkte, unmittelbare Auswirkung auf das Geschehen hat. Sprinten, Springen, Ausweichen und das Nutzen von Traversal-Fähigkeiten greifen so nahtlos ineinander, dass man schnell das Gefühl bekommt, eher zu tanzen als zu kämpfen.

Dieser sogenannte "Flow-Zustand" ist kein Marketing, sondern tatsächlich spürbar. Sobald man die grundlegenden Mechaniken verinnerlicht hat, entsteht ein Rhythmus, der beinahe hypnotisch wirkt. Gegner feuern Projektile in unterschiedlichsten Mustern ab, während man selbst zwischen ihnen hindurchgleitet, sie absorbiert oder im richtigen Moment kontert. Anfangs wirkt das Geschehen überwältigend, fast chaotisch, doch mit zunehmender Spielzeit verwandelt sich dieses Chaos in ein lesbares, kontrollierbares System. Auch wenn ihr wie ich zu Beginn Probleme beim Nachladen habt, das wird schon werden! Ein entscheidender Faktor dafür ist die exzellente Lesbarkeit des Kampfgeschehens. Trotz der Vielzahl an Effekten, Partikeln und Angriffen verliert man selten den Überblick. Farben, Bewegungsmuster und Soundeffekte geben klare Hinweise darauf, wie man auf bestimmte Situationen reagieren sollte. Genau hier zeigt sich die Erfahrung von Housemarque: Das Spiel verlangt viel vom Spieler, aber es bleibt dabei immer fair.
Zwischen Risiko und Belohnung
Das Herzstück des Gameplays ist das Kampfsystem, das bewusst auf Risiko setzt. SAROS belohnt kein defensives, vorsichtiges Vorgehen, sondern fordert den Spieler aktiv dazu auf, sich in gefährliche Situationen zu begeben. Wer versucht, nur aus sicherer Entfernung zu agieren, wird schnell merken, dass er wichtige Möglichkeiten ungenutzt lässt.
Zentral dafür ist das Zusammenspiel der verschiedenen Angriffstypen und Verteidigungsmechaniken. Gegner greifen mit unterschiedlich gefärbten Projektilen an, die jeweils eigene Eigenschaften besitzen und entsprechend unterschiedliche Reaktionen erfordern. Manche Geschosse lassen sich durch geschicktes Timing einfach durchqueren, andere müssen aktiv geblockt oder umgangen werden, während wiederum andere den Spieler zwingen, seine Position komplett neu zu überdenken. Besonders interessant wird dieses System durch den sogenannten Soltari-Schild. Sie erlaubt es dem Spieler, bestimmte Angriffe nicht nur abzuwehren, sondern ihre Energie zu absorbieren und später in mächtige Gegenangriffe umzuwandeln. Dadurch entsteht eine spannende Dynamik: Wer sich traut, näher an die Gefahr heranzugehen, wird mit zusätzlicher Offensivkraft belohnt.
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Im weiteren Spielverlauf erweitert sich dieses System noch deutlich. Neue Fähigkeiten ermöglichen es, Angriffe zu parieren oder sogar zurückzuschleudern. Dadurch entsteht ein Kampfstil, der immer stärker auf Timing und Reaktionsvermögen setzt. Kämpfe fühlen sich dadurch weniger wie klassische Gefechte und mehr wie ein taktischer Schlagabtausch an. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Vielfalt der verfügbaren Waffen. Statt sich auf ein einzelnes "bestes" Loadout zu verlassen, ermutigt das Spiel dazu, verschiedene Optionen auszuprobieren. Manche Waffen setzen auf hohe Feuerraten, andere auf gezielte, kraftvolle Treffer, wieder andere auf ungewöhnliche Mechaniken, die erst mit etwas Übung ihr volles Potenzial entfalten. Was dabei besonders positiv auffällt, ist die Konsequenz, mit der SAROS seine Systeme durchzieht. Jede Mechanik greift sinnvoll in die andere. Bewegung, Angriff, Verteidigung und Ressourcenmanagement bilden ein geschlossenes System, das sich mit zunehmender Spielzeit immer weiter entfaltet.
Der Reiz des Scheiterns
Ein entscheidender Unterschied zu Returnal liegt in der Art und Weise, wie SAROS mit Fortschritt umgeht. Während Returnal stark auf klassische Roguelike-Elemente setzte, geht SAROS einen deutlich zugänglicheren Weg. Der Grundgedanke bleibt zwar erhalten, der Spieler startet nach dem Tod erneut, doch diesmal fühlt sich dieser Neustart nicht wie ein Rückschritt an. Stattdessen wird jeder Durchlauf als Teil eines größeren Fortschritts verstanden. Die gesammelten Ressourcen bleiben erhalten und können in dauerhafte Verbesserungen investiert werden. Dadurch entsteht ein kontinuierliches Gefühl von Entwicklung. Besonders gelungen ist dabei die Balance zwischen kurzfristiger und langfristiger Motivation. Einerseits möchte man einen einzelnen Run möglichst erfolgreich abschließen, andererseits weiß man, dass selbst ein Scheitern nicht umsonst war. Diese doppelte Motivation sorgt dafür, dass man immer wieder bereit ist, einen neuen Versuch zu starten.
Das Fortschrittssystem selbst ist umfangreich, aber nicht überladen. Verbesserungen wirken sich spürbar aus, ohne das Spiel trivial zu machen. Statt plötzlicher Machtspitzen setzt SAROS auf eine stetige, nachvollziehbare Entwicklung. Man merkt, wie der eigene Charakter stärker wird, aber ebenso merkt man, dass die Herausforderungen entsprechend mitwachsen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Struktur der Runs. Diese sind deutlich kompakter gehalten als im Vorgänger. Eine Spielrunde dauert in der Regel zwischen zwanzig und dreißig Minuten, was das Spiel deutlich zugänglicher macht. Man hat nie das Gefühl, mehrere Stunden investieren zu müssen, um Fortschritte zu erzielen. Zusätzlich erleichtern Komfortfunktionen wie ein Teleport-System den Spielfluss erheblich. Bereits entdeckte Bereiche lassen sich schnell wieder erreichen, wodurch unnötige Wiederholungen vermieden werden. Das Spiel respektiert die Zeit des Spielers, ein Aspekt, der gerade bei diesem Genre nicht selbstverständlich ist.
Bosskämpfe: Spektakel mit Substanz
Die Bosskämpfe stellen einen der absoluten Höhepunkte von SAROS dar. Ohne zu viel vorwegzunehmen, lässt sich sagen, dass sie sowohl spielerisch als auch inszenatorisch auf höchstem Niveau angesiedelt sind. Jeder Boss ist einzigartig gestaltet und verlangt vom Spieler, die zuvor erlernten Mechaniken perfekt anzuwenden. Es reicht nicht, einfach nur gut zu reagieren, man muss die Angriffsmuster verstehen, sich anpassen und im richtigen Moment die Initiative ergreifen - wie in einem der unzähligen Soulslike-Spiele.
Dabei gelingt dem Spiel eine beeindruckende Balance zwischen Herausforderung und Fairness. Niederlagen fühlen sich selten unfair an. Stattdessen hat man meist das Gefühl, aus seinen Fehlern lernen zu können. Genau dieser Lernprozess sorgt dafür, dass Siege umso befriedigender sind. Die Kämpfe sind visuell spektakulär, ohne dabei die Übersicht zu verlieren. Große Arenen, dynamische Effekte und ein perfekt abgestimmter Soundtrack sorgen dafür, dass jeder Bosskampf wie ein eigenes kleines Finale des jeweiligen Bioms wirkt.
Grafik & Technik: Eine fremde Welt in Perfektion
Technisch und visuell gehört SAROS ohne Zweifel zur Oberklasse der aktuellen Konsolengeneration. Auf der PS5 Pro entfaltet das Spiel seine volle Wirkung und zeigt, was moderne Hardware leisten kann.
Die Welt von Carcosa ist nicht nur optisch beeindruckend, sondern auch unglaublich stimmungsvoll. Jede Umgebung erzählt ihre eigene Geschichte. Verfallene Strukturen, fremdartige Architektur und surreale Landschaften erzeugen eine Atmosphäre, die gleichzeitig faszinierend und beunruhigend wirkt. Es ist eine Welt, die man nicht vollständig versteht und genau das macht ihren Reiz aus.
Besonders hervorzuheben ist die Detaildichte. Selbst in hektischen Kampfsituationen bleibt die Umgebung glaubwürdig und lebendig. Effekte wie Licht, Schatten und Partikel sind nicht nur schön anzusehen, sondern tragen aktiv zur Lesbarkeit des Spiels bei. Auch technisch liefert das Spiel eine beeindruckende Leistung ab. Die Bildrate bleibt selbst in den intensivsten Momenten stabil, was gerade bei einem so schnellen Gameplay entscheidend ist. Ladezeiten sind dank moderner SSD-Technologie praktisch nicht vorhanden, wodurch der Spielfluss nie unterbrochen wird.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist das Sounddesign. SAROS nutzt räumliches Audio in einer Weise, die weit über das Übliche hinausgeht. Geräusche kommen nicht einfach aus einer Richtung - sie geben konkrete Hinweise auf Gefahren und Ereignisse im Spiel. In Kombination mit dem druckvollen Soundtrack entsteht ein audiovisuelles Erlebnis, das den Spieler vollständig in die Welt hineinzieht. Und dann sind da noch die DualSense-Controller...
DualSense-Integration: Spürbares Gameplay in deinen Händen
Ein Aspekt, der bei SAROS nicht nur beiläufig integriert wurde, sondern sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spielerlebnis zieht, ist die Nutzung des DualSense-Controllers der PlayStation 5. Sony und Housemarque haben hier sichtbar Hand in Hand gearbeitet, um die technischen Möglichkeiten des Controllers nicht nur als Gimmick, sondern als festen Bestandteil des Gameplays zu etablieren. Besonders auffällig ist dabei die zweistufige Nutzung der adaptiven Trigger. Während viele Spiele diese Funktion eher oberflächlich einsetzen, macht SAROS sie zu einem integralen Bestandteil des Kampfsystems. Der linke Trigger dient nicht einfach nur dem Zielen, sondern unterscheidet bewusst zwischen zwei Druckpunkten. Drückt man ihn nur leicht, aktiviert man den alternativen Feuermodus der aktuellen Waffe. Geht man einen Schritt weiter und betätigt den Trigger vollständig, wird stattdessen eine deutlich mächtigere Spezialfähigkeit ausgelöst, die jedoch meist an eine Energieressource gebunden ist.
Diese mechanische Trennung fühlt sich nicht nur logisch an, sondern geht erstaunlich schnell in Fleisch und Blut über. Nach kurzer Eingewöhnung denkt man nicht mehr aktiv darüber nach, sondern reagiert intuitiv auf die jeweilige Kampfsituation. Genau hier entfaltet sich die Stärke dieser Umsetzung: Die Hardware erweitert nicht nur die Steuerung, sondern verbessert das Spielgefühl spürbar. Hinzu kommt das differenzierte haptische Feedback, das jede Aktion greifbar macht. Jeder Waffentyp vermittelt ein eigenes Gefühl - von einem leichten, schnellen Pulsieren bei schnellfeuernden Waffen bis hin zu einem schweren, fast widerständigen Druck bei mächtigen Schüssen. Auch Treffer, eingehender Schaden oder das Aktivieren von Fähigkeiten werden über feine Vibrationen transportiert, ohne dabei jemals störend zu wirken.
Besonders in hektischen Gefechten trägt diese haptische Rückmeldung zur Orientierung bei. Man "fühlt" regelrecht, wann eine Fähigkeit bereit ist, wann ein Angriff abgewehrt wurde oder wann man sich in einer kritischen Situation befindet. In Kombination mit dem visuellen Feedback entsteht so ein geschlossenes, sehr unmittelbares Spielerlebnis. Ein weiteres Detail, das oft unterschätzt wird, ist die Art und Weise, wie der Controller das Spieltempo unterstützt. Der Widerstand der Trigger passt sich dynamisch an die jeweilige Aktion an. In ruhigen Momenten bleibt die Steuerung angenehm leichtgängig, während sie in intensiven Kampfsituationen spürbar an Spannung gewinnt. Dadurch entsteht ein subtiler, aber wirkungsvoller Zusammenhang zwischen dem, was auf dem Bildschirm passiert, und dem, was man in den Händen spürt.
Insgesamt zeigt SAROS eindrucksvoll, wie sinnvoll die Features des DualSense eingesetzt werden können, wenn sie von Anfang an in das Gamedesign integriert sind. Es geht hier nicht um Effekthascherei, sondern um eine Erweiterung der Spielmechanik selbst. Wer einmal erlebt hat, wie natürlich sich die zweistufige Triggersteuerung in den Spielfluss einfügt, wird sie nur ungern wieder missen wollen.
Kleine Makel in einem starken Gesamtbild
So beeindruckend SAROS insgesamt ist, bleibt es nicht völlig frei von Schwächen. Einige dieser Punkte fallen stärker ins Gewicht als andere, insgesamt beeinträchtigen sie das Erlebnis jedoch nur geringfügig.

Ein Kritikpunkt betrifft die Erzählstruktur. Obwohl die Story deutlich präsenter ist als im Vorgänger, wirkt ihr Rhythmus nicht immer optimal. Manche Ereignisse entfalten ihre Wirkung erst verzögert, während andere Momente etwas zu abrupt abgehandelt werden. Dadurch entsteht gelegentlich ein leicht unausgeglichenes Tempo. Auch die Nebencharaktere bleiben teilweise hinter ihren Möglichkeiten zurück. Zwar sind sie gut vertont und erfüllen ihren Zweck innerhalb der Handlung, doch ihnen fehlt es an Tiefe, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben.
Im Gameplay selbst gibt es vereinzelt Situationen, die überfordernd wirken können. Besonders in späteren Abschnitten kann die Kombination aus Gegnern, Projektilen und Umgebung so intensiv werden, dass man kurzzeitig die Kontrolle verliert. Diese Momente sind selten, fallen aber dennoch auf.
Schließlich hätte das Leveldesign in einigen Bereichen noch abwechslungsreicher ausfallen können. Die Umgebungen sind zwar visuell beeindruckend, unterscheiden sich spielerisch jedoch nicht immer stark genug voneinander.
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Bildquelle: Sony Computer Entertainment / Playstation 5 Pro






