
In einer Galaxie, weit .. - Moment mal
Die Geschichte von Starfield dreht sich um die Erforschung mysteriöser Artefakte und deren Verbindung zu einer größeren, kosmischen Wahrheit. Als Mitglied einer Entdeckerorganisation reist man durch die sogenannten "Settled Systems", trifft auf verschiedene Fraktionen und wird zunehmend in ein philosophisches Narrativ rund um Existenz, Fortschritt und die Rolle der Menschheit im Universum hineingezogen. Die Stärke der Story liegt weniger in dramatischen Wendungen als in ihrer Idee: Es geht um Entdeckung, Sinnsuche und die Konsequenzen von Wissen. Klassische Bethesda-Elemente wie Fraktionsgeschichten und Nebenquests ergänzen die Haupthandlung und liefern oft die emotional stärkeren Momente.
Der erste große DLC "Shattered Space" konzentriert sich stärker auf eine lokalisierte, dichtere Story-Erfahrung. Im Gegensatz zum weitläufigen Hauptspiel steht hier eine klar definierte Region im Fokus, wodurch die Handlung strukturierter und intensiver wirkt. Thematisch wird es düsterer und persönlicher: religiöse, kulturelle und politische Konflikte rücken stärker in den Vordergrund. Dadurch fühlt sich dieser DLC erzählerisch fokussierter an als das Basisspiel.
Mit "Terran Armada" geht Bethesda einen anderen Weg: Statt einer einzelnen Region entfaltet sich die Story über das gesamte Spieluniversum hinweg. Neue Bedrohungen, Fraktionen und Konflikte betreffen mehrere Systeme gleichzeitig. Im Zentrum stehen militärische und technologische Entwicklungen sowie eine eskalierende Gefahr aus dem All. Der DLC bringt mehr Dynamik ins Spielgeschehen und verknüpft Story und Gameplay stärker miteinander als zuvor.
Gameplay
Das Gameplay ist typisch für ein Rollenspiel von Bethesda Game Studios: große Freiheit, viele Systeme, aber nicht alle perfekt ausbalanciert.
Der Mix aus Ego-Shooter, Rollenspielmechaniken und Erkundung funktioniert grundsätzlich gut. Kämpfe fühlen sich deutlich verbessert an im Vergleich zu früheren Bethesda-Titeln: Waffenfeedback, Zielmechaniken und Gegnerverhalten sind moderner und dynamischer. Auch das Raumschiff-Gameplay - inklusive Kämpfen und Individualisierung - ist ein Highlight und bietet eine angenehme Abwechslung. Die Kehrseite ist die Struktur: Viele Abläufe sind fragmentiert. Reisen zwischen Planeten bestehen oft aus Ladebildschirmen, was das Gefühl eines nahtlosen Universums einschränkt. Die Erkundung selbst leidet unter der bereits erwähnten Wiederholung. Die DLCs erweitern das Gameplay sinnvoll, etwa durch neue Fraktionen, Missionstypen und zusätzliche Mechaniken. Besonders positiv ist, dass Entscheidungen stärker ins Gewicht fallen und Questdesign teilweise komplexer wird. Dennoch bleibt ein gewisser Bruch zwischen den ambitionierten Systemen und ihrer tatsächlichen Umsetzung.

Zum Release von Starfield wurde schnell ein wiederkehrender Kritikpunkt laut: Das Spiel wirkte in seiner Struktur "breit, aber nicht tief". Gemeint war damit vor allem, dass die schiere Größe und Vielfalt der Inhalte nicht immer mit der gleichen spielerischen Tiefe einherging. Besonders auffällig waren die zahlreichen Ladebildschirme, die das Gefühl einer nahtlosen Weltraumerkundung spürbar unterbrachen. Auch die Planetenoberflächen und viele Points of Interest litten unter Wiederholungen, wodurch die anfängliche Faszination der Erkundung im späteren Spielverlauf merklich nachließ. Hinzu kam, dass das Raumschiff zwar visuell und konzeptionell überzeugte, in der Praxis jedoch nur eingeschränkt genutzt wurde und oft eher als Transportmittel denn als integraler Gameplay-Bestandteil fungierte. Auch Quest- und Dialogsysteme wirkten stellenweise altmodisch und erinnerten stärker an frühere Titel von Bethesda als an moderne Genre-Standards.
Seitdem hat sich jedoch einiges getan. Durch umfangreiche Updates und die beiden großen Erweiterungen wurde gezielt an zentralen Schwächen gearbeitet. Ein entscheidender Fortschritt ist das überarbeitete Reisesystem: Mit neuen Funktionen, die interplanetare Flüge innerhalb eines Systems ermöglichen, wurde die Abhängigkeit von Schnellreisen deutlich reduziert. Dadurch wirkt das Universum heute spürbar zusammenhängender und weniger fragmentiert. Auch das Raumschiff-Gameplay wurde grundlegend überarbeitet. Was zuvor oft als oberflächlich empfunden wurde, ist inzwischen deutlich stärker in das Spiel integriert. Neue Mechaniken und erweiterte Systeme sorgen dafür, dass das tatsächliche Fliegen und Navigieren im All mehr Bedeutung erhält und sich immersiver anfühlt.
Darüber hinaus wurde die inhaltliche Vielfalt sichtbar erweitert. Zusätzliche Missionen, neue Schauplätze und abwechslungsreichere Strukturen bei Dungeons und Begegnungen tragen dazu bei, dass die Erkundung länger motivierend bleibt. Zwar sind Wiederholungen weiterhin vorhanden, sie fallen jedoch weniger stark ins Gewicht als noch zum Release.
Die beiden DLCs setzen dabei unterschiedliche, aber sich ergänzende Schwerpunkte. Während Shattered Space vor allem die erzählerische Tiefe stärkt und eine dichtere, fokussiertere Spielerfahrung bietet, bringt Terran Armada mehr Dynamik ins Gesamtsystem und erweitert die spielerischen Möglichkeiten auf einer breiteren Ebene. Zusammen tragen sie dazu bei, das Fundament des Hauptspiels sinnvoll auszubauen und bestehende Schwächen zumindest teilweise auszugleichen.
Grafik im Kontext der Entwicklung
Auch visuell zeigt sich Starfield als ein Spiel mit klaren Stärken, aber ebenso deutlichen Einschränkungen. Besonders die Städte, Raumstationen und Innenräume überzeugen durch ihren Detailgrad und eine dichte Atmosphäre. Lichtstimmungen im All sowie Effekte wie Reflexionen und Partikel tragen erheblich zur Immersion bei und sorgen in vielen Momenten für ein eindrucksvolles Gesamtbild.

Dem gegenüber stehen jedoch die bekannten Schwächen der prozedural generierten Planetenoberflächen. Trotz ihrer Größe und Vielfalt wirken viele Umgebungen auf Dauer austauschbar, da sich Strukturen und visuelle Elemente wiederholen. Auch die Animationen – insbesondere bei Charakteren und Dialogen – erreichen nicht das Niveau moderner Genrevertreter und wirken stellenweise spürbar veraltet.
Die DLCs und Updates verbessern die visuelle Qualität punktuell, etwa durch individuellere Schauplätze und mehr handgefertigte Details. Dennoch bleibt das grundlegende Problem bestehen: Die Diskrepanz zwischen stark gestalteten Einzelorten und repetitiven Flächen lässt sich auch durch nachträgliche Erweiterungen nicht vollständig auflösen.
Im Verlauf der Erweiterungen zeigt sich jedoch eine leichte Verschiebung im visuellen Design. Während das Hauptspiel stark auf weitläufige, prozedural erzeugte Landschaften setzt, wirken die DLCs deutlich fokussierter und atmosphärisch dichter inszeniert. Besonders Shattered Space hebt sich durch kompaktere, stärker kuratierte Gebiete und eine deutlich bewusstere Licht- und Farbgestaltung ab, wodurch die Spielwelt insgesamt stimmungsvoller und konsistenter erscheint. Terran Armada ergänzt dies wiederum weniger durch abgeschlossene Regionen, sondern durch mehr visuelle Vielfalt in Raumkämpfen, Schiffsdesigns und dynamischen Ereignissen, was das Universum insgesamt lebendiger wirken lässt.
Release vs. Heute – Die Entwicklung von Starfield
Zum Release hinterließ Starfield einen widersprüchlichen Eindruck. Einerseits war erkennbar, welches enorme Potenzial in diesem Sci-Fi-Rollenspiel steckt: die Größe des Universums, die Vielzahl an Systemen und die Freiheit wirkten beeindruckend und ambitioniert. Andererseits fühlte sich das Gesamtbild oft noch unfertig an. Vor allem die Struktur des Spiels, da Exploration und Reisen durch die vielen Unterbrechungen nicht immer natürlich oder flüssig wirkten.
Mit den darauffolgenden Updates und den DLCs hat sich das Spiel jedoch spürbar weiterentwickelt. Die heutige Version wirkt deutlich runder und konsistenter als noch zum Launch. Viele Systeme greifen inzwischen besser ineinander, wodurch der allgemeine Gameplay-Flow erheblich verbessert wurde. Besonders das Universum selbst profitiert von den Veränderungen: Reisen, Erkundung und Raumschiff-Gameplay fühlen sich heute stärker miteinander verbunden an und vermitteln wesentlich besser das Gefühl eines zusammenhängenden Sci-Fi-Abenteuers.
Ein Beispiel ist das Reise-Gameplay. Zum Launch bestand Weltraumreise oft aus Menüs, Ladebildschirmen und Schnellreisen. Man klickte sich im Grunde von Planet zu Planet, ohne wirklich das Gefühl zu haben, dazwischen unterwegs zu sein. Mit dem "Free Lanes"-Update wurde genau das verändert: Innerhalb eines Sternsystems kann man nun tatsächlich zwischen Planeten fliegen. Das klingt zunächst wie eine kleine Ergänzung, verändert aber die Wahrnehmung des Spiels massiv.
Plötzlich entsteht mehr Atmosphäre zwischen den eigentlichen Missionsorten. Während des Flugs tauchen dynamische Ereignisse, neue Raumstationen, Notsignale oder zufällige Begegnungen auf. Das Universum fühlt sich dadurch weniger wie eine Ansammlung einzelner Menüpunkte an und mehr wie ein tatsächlicher Raum, durch den man reist. Besonders der neue „Cruise Mode“ trägt dazu bei. Dieser Modus erlaubt es, längere Reisen entspannt zu erleben, während man sich frei im Schiff bewegt, mit Crewmitgliedern spricht oder Werkbänke nutzt. Dadurch wird das Schiff erstmals wirklich zu einem Zuhause im All statt nur zu einem Ladebildschirm mit Cockpit.
Dabei ist klar erkennbar, dass Bethesda auf die Kritik der Community reagiert hat. Zahlreiche Anpassungen wirken gezielt darauf ausgelegt, genau jene Schwächen anzugehen, die zum Release am häufigsten bemängelt wurden. Auch wenn nicht jedes grundlegende Problem vollständig gelöst werden konnte, vermittelt die aktuelle Version von Starfield deutlich stärker den Eindruck einer ausgereiften Vision.

Aus diesem Grund ist die heutige Fassung inzwischen als jene Erfahrung anzusehen, die das Spiel ursprünglich bereits zum Launch hätte bieten sollen, ambitioniert, umfangreich und wesentlich geschlossener in seiner Gesamtwirkung.
REV – Fahrzeug-Update und Planetenfortbewegung
Mit dem später eingeführten Fahrzeug REV (REV-8) hat Starfield einen der wichtigsten Komfort- und Gameplay-Schritte nachgereicht. Während die Planetenexploration zum Release noch stark zu Fuß geprägt war und dadurch oft langsam sowie wiederholend wirkte, sorgt der REV inzwischen für eine deutlich dynamischere Fortbewegung auf der Oberfläche.
Das Fahrzeug beschleunigt nicht nur die reine Traversierung, sondern verändert auch den Rhythmus der Erkundung spürbar. Größere Distanzen zwischen POIs lassen sich nun deutlich effizienter überbrücken, wodurch sich Planeten weniger leer und zeitintensiv anfühlen. Gleichzeitig eröffnet der REV neue Möglichkeiten im Moment-to-Moment-Gameplay: schnelle Fluchten aus Gefechten, das dynamische Anfahren von Kampfzonen oder das gezielte Erkunden von Ressourcenpunkten wirken dadurch deutlich flüssiger als zuvor.
In der Praxis sorgt das Fahrzeug damit vor allem für eines: Es reduziert die zuvor oft kritisierte Trägheit der Planetenbewegung und macht die Oberflächenexploration insgesamt zugänglicher und weniger fragmentiert, ohne jedoch die grundlegende Struktur der prozeduralen Planeten vollständig zu verändern.
Grafiksettings & Benchmark
Technisch hat sich Starfield seit Release ebenfalls sichtbar verbessert. Während die Performance zum Launch noch stark schwankte und besonders in großen Städten sowie während intensiver Effekteinblendungen mit Framedrops zu kämpfen hatte, sorgen die späteren Optimierungen inzwischen für ein deutlich stabileres Gesamtbild. Vor allem moderne Hardware profitiert spürbar von den nachgereichten Patches.

Die erweiterten Grafikoptionen ermöglichen mittlerweile eine wesentlich feinere Anpassung an unterschiedliche Systeme. Besonders Upscaling-Technologien und die verbesserten Beleuchtungsoptionen sorgen dafür, dass sich sowohl Bildqualität als auch Performance besser ausbalancieren lassen. Im Benchmark zeigt sich dabei vor allem, dass Starfield stark CPU-lastig bleibt: Große Städte, NPC-reiche Gebiete und komplexe Physikeffekte fordern selbst leistungsstarke Systeme weiterhin deutlich stärker als die eigentlichen Planetenoberflächen.
Auf High-End-Hardware liefert das Spiel heute jedoch ein insgesamt wesentlich konstanteres Erlebnis als noch zum Release. Besonders die Kombination aus stabilerer Framerate, reduzierten Mikrorucklern und verbesserten Streaming-Prozessen trägt dazu bei, dass sich die technische Präsentation deutlich runder anfühlt als in den ersten Monaten nach Veröffentlichung.




