
Assassin´s Creed: Shadows
Ubisoft wagt sich mit diesem Titel in eines der meistgewünschten Settings der Reihe und stellt uns gleich zwei faszinierende Protagonisten vor: Naoe, eine gewandte Shinobi und Yasuke, einen mächtigen Samurai.
Doch kann Assassin’s Creed Shadows die hohen Erwartungen erfüllen? Liefert es das ultimative Feudaljapan-Erlebnis oder bleibt es nur ein weiterer Eintrag in Ubisofts Open-World-Formel? Wir haben uns in die düsteren Gassen Kyotos, die dichten Wälder Igas und auf das Schlachtfeld der Samurai gewagt – und verraten euch, ob der neueste Teil der Assassin’s-Creed-Reihe ein echtes Meisterwerk ist.
Die Kampagne erzählt die miteinander verwobenen Schicksale von Naoe und Yasuke. Während Naoe nach Vergeltung für die Zerstörung ihres Clans durch Oda Nobunaga strebt, sucht Yasuke seinen Platz in einer fremden Gesellschaft. Ihre Pfade kreuzen sich, und gemeinsam stellen sie sich den Herausforderungen eines von Krieg zerrissenen Landes.
Die Shinobi und der fremdartige Ninja
Dies ist auch ein großes Highlight von Assassin’s Creed Shadows: Die Möglichkeit, zwei grundverschiedene Protagonisten zu spielen, die nicht nur in ihrer Persönlichkeit, sondern auch in ihrem Kampfstil völlig unterschiedliche Erfahrungen bieten. Naoe, eine gewandte Shinobi, und Yasuke, ein ehrwürdiger Samurai, stehen sich auf den ersten Blick wie Tag und Nacht gegenüber – doch genau diese Gegensätze machen das Gameplay so spannend.
Wer als Naoe spielt, wird schnell feststellen, dass sie der Inbegriff eines klassischen Assassinen ist. Sie bewegt sich flink über Dächer, nutzt die Dunkelheit zu ihrem Vorteil und kann sich in den Schatten verbergen, um Feinde lautlos auszuschalten. Ihre Waffen – darunter die ikonische Kusarigama (eine Kette mit Sichel) und vergiftete Wurfklingen – erlauben eine Vielzahl kreativer Stealth-Taktiken. Es fühlt sich fast an wie eine Mischung aus Assassin’s Creed Unity und Tenchu, wenn man sich elegant von Dach zu Dach bewegt, Wachen mit Rauchbomben ablenkt und dann blitzschnell zuschlägt.
Auf der anderen Seite steht Yasuke, ein brachialer Kämpfer, der sich mit voller Wucht ins Getümmel stürzt. Anders als Naoe kann er nicht einfach in der Menge untertauchen – sein Name und seine Erscheinung sind zu markant. Stattdessen verlässt er sich auf seine rohe Kraft, pariert Schläge mit seinem massiven Katana und fegt Gegner mit seiner überragenden Physis von den Beinen. Wer die Schlachten aus Ghost of Tsushima mochte, wird Yasuke lieben – sein Kampfstil fühlt sich wuchtig und direkt an, und jeder Schlag hat spürbares Gewicht.
Historisch betrachtet ist Yasuke ein echter Mythos und entspringt wahren Überbringungen. Er war der erste und einzige afrikanische Samurai, der unter dem legendären Oda Nobunaga diente. Seine Existenz ist bis heute ein Rätsel, denn es gibt nur wenige historische Aufzeichnungen über ihn. Manche Historiker vermuten, dass er ein Söldner war, andere sehen ihn als noblen Krieger, der sich seinen Rang durch Loyalität und Stärke verdiente.1 Was Ubisoft aus diesem Mythos macht, ist spannend: Yasuke ist nicht nur ein Krieger, sondern auch ein Mann, der sich in einer fremden Kultur zurechtfinden muss – ein Aspekt, der ihn auch erzählerisch von Naoe unterscheidet.
Gerade dieser Kontrast macht Shadows besonders: Man erlebt Japan aus zwei völlig verschiedenen Perspektiven. Während Naoe sich durch enge Gassen schleicht und im Schutz der Nacht operiert, betritt Yasuke das Schlachtfeld wie ein wandelndes Bollwerk. Diese zwei Spielstile erlauben nicht nur unterschiedliche Herangehensweisen an Missionen, sondern auch eine tiefere Immersion in die Spielwelt. Es ist, als würde man zwei verschiedene Seiten derselben Epoche erleben – und genau das macht Assassin’s Creed Shadows so besonders.
So besonders diese zwei Spielweisen auch sind, könnte gerade das für einige Spieler problematisch sein. Wer beispielsweise ein Fan von stealthbasiertem Gameplay ist, wird möglicherweise frustriert sein, wenn er gezwungen wird, in Yasukes Rolle zu schlüpfen. Zwar gibt das Spiel in vielen Missionen die Wahl, welcher Charakter gespielt wird, doch einige Abschnitte sind fest an einen der beiden gebunden. Das könnte für manche den Spielfluss stören – insbesondere, wenn man sich sehr stark mit einem der beiden Stile identifiziert und sich ungern umstellen möchte. Auch könnte das Ungleichgewicht der Protagonisten für Frust sorgen. Ist Naoe nämlich von mehreren Gegnern umzingelt, kann es unter Umständen schon ungemütlich werden.
Eine Welt, die sich zu entdecken lohnt!
Ubisoft hat mit Assassin’s Creed Shadows eine Welt erschaffen, die das Japan der Sengoku-Zeit nicht nur optisch beeindruckend, sondern auch historisch immersiv darstellt. Während viele Spiele das feudale Japan als romantisierten Schauplatz voller Kirschblüten und ehrenhafter Samurai inszenieren, zeigt Shadows eine rauere, realistischere Seite dieser Ära – eine Welt im Umbruch, in der Krieg, politische Intrigen und soziale Ungleichheit allgegenwärtig sind.
Schon beim ersten Streifzug durch die Dörfer und Städte fällt auf, mit welcher Liebe zum Detail die Entwickler gearbeitet haben. Händler rufen ihre Waren aus, Bauern schuften auf den Feldern und Samurai patrouillieren mit grimmigen Blicken durch die Straßen – alles wirkt organisch, nichts fühlt sich gestellt oder künstlich an. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie die Jahreszeiten das Spielgefühl beeinflussen: Im Frühling sprießen leuchtend grüne Bambuswälder, im Herbst tanzen rote Ahornblätter durch die Luft, und im Winter stapfen wir durch tiefen Schnee, der unter den Füßen knirscht.
Historische Schauplätze wie Burgen oder versteckte Shinobi-Dörfer sorgen für eine tiefere Immersion. Besonders die Burg Azuchi, die in Shadows eine Rolle spielt, basiert auf realen Überlieferungen – sie war eine der ersten Festungen Japans, die westliche und japanische Architektur vereinte. Diese Detailverliebtheit weckt Erinnerungen an historische Dramen wie Shogun, die mit ihren eindringlichen Bildern und düsteren Atmosphären das Leben jener Zeit greifbar machen.
Was die Welt besonders lebendig macht, ist ihr dynamisches Verhalten. Es reicht nicht, nur schön gestaltete Kulissen zu haben – die Welt muss auf den Spieler reagieren. In Shadows trifft das zu: Wetterveränderungen beeinflussen unsere Vorgehensweise, NPCs gehen ihrem Tagesablauf nach, und Städte wirken je nach Tageszeit völlig unterschiedlich. Wer frühmorgens über einen Markt schlendert, sieht eifrige Händler ihre Stände aufbauen, während dieselbe Straße nachts von dunklen Gestalten und dubiosen Geschäften beherrscht wird.
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Diese Authentizität sorgt dafür, dass Assassin’s Creed Shadows nicht einfach nur wie ein Spiel wirkt, sondern wie eine echte Reise in eine der faszinierendsten und turbulentesten Epochen Japans.
Basenbau in Assassin’s Creed Shadows – Von der Zuflucht zum Machtzentrum
Eine der spannendsten Neuerungen in Assassin’s Creed Shadows ist das Basenbau-System, das dem Spiel eine zusätzliche strategische Ebene verleiht. Während frühere Teile der Serie bereits rudimentäre Wirtschaftssysteme oder ausbaubare Siedlungen hatten – wie beispielsweise Monteriggioni in Assassin’s Creed II –, geht Shadows einen Schritt weiter. Hier verwaltet der Spieler nicht nur einen Unterschlupf, sondern baut eine vollwertige Operationsbasis auf, die als Rückzugsort, Ausbildungsstätte und Schmiede der Revolution gegen die herrschenden Mächte dient.
Zu Beginn ist die Basis kaum mehr als ein verstecktes Lager im Wald – ein Zufluchtsort für Rebellen, Assassinen und Verbündete. Doch mit der Zeit wächst sie zu einem mächtigen Zentrum heran. Dies geschieht durch das Erfüllen von Missionen, das Sammeln von Ressourcen und das Rekrutieren neuer Verbündeter. Spieler haben dabei die Möglichkeit, verschiedene Gebäude und Einrichtungen zu errichten, die die Spielmechanik(en) beeinflussen. Zum Beispiel können wir Späher entsenden, um Ressourcenpakete zu bergen oder aber auch um Ziele auf der Karte aufzudecken.
Grafik auf neuem Niveau – Japan zum Greifen nah
Von den nebligen Wäldern Igas bis zu den geschäftigen Straßen Kyotos – Assassin’s Creed Shadows hebt die grafische Qualität der Serie auf ein neues Level. Schon in den ersten Minuten wird deutlich, dass Ubisoft mit der aktuellen Konsolengeneration ernst macht: Schärfere Texturen, detaillierte Charaktermodelle und ein dynamisches Lichtsystem lassen das feudale Japan lebendiger wirken als je zuvor.
Besonders beeindruckend ist das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Wenn die ersten Sonnenstrahlen des Morgens durch die Äste eines Bambuswaldes brechen und sanfte Lichtflecken auf den moosbewachsenen Boden werfen, fühlt es sich an, als würde man einen realen Ort betreten. Das Gleiche gilt für die belebten Städte: Die Laternen der Teehäuser werfen warme Reflexionen auf den regennassen Boden, während in dunklen Gassen die Schatten bedrohlich tanzen. Hier merkt man, dass Ubisoft viel in eine realistische Beleuchtung investiert hat – ähnlich wie es Ghost of Tsushima mit seinem filmischen Stil vorgemacht hat.
Ein besonderer grafischer Leckerbissen ist das dynamische Wettersystem. Es ist nicht nur ein visuelles Gimmick, sondern beeinflusst auch das Gameplay. Eine plötzliche Regenfront verändert die Umgebung – matschige Böden machen Geräusche, was Schleichangriffe riskanter macht. Diese Details verleihen der Welt eine beeindruckende Tiefe und machen jede Spielsession einzigartig.
Ein persönliches Highlight ist der Wechsel der Jahreszeiten. Im Sommer leuchten die Reisfelder in sattem Grün, während der Herbst Kyoto in ein Meer aus roten Ahornblättern taucht. Der Winter wiederum sorgt für eine gespenstische Stille – der Schnee schluckt Geräusche, und die frostige Kälte spiegelt sich in den Atemwolken der Charaktere wider.
Auch die Charaktermodelle sind eine deutliche Verbesserung gegenüber vorherigen Titeln. Man kann feine Stofftexturen an Kimonos erkennen, einzelne Narben auf den Gesichtern der Samurai und sogar, wie der Wind durch die Haare der Protagonisten fährt. Es sind diese Kleinigkeiten, die das Spiel von einem normalen Open-World-Titel zu einer lebendigen historischen Reise machen.
Kurz gesagt: Assassin’s Creed Shadows ist nicht nur ein visuelles Spektakel, sondern auch eine technische Meisterleistung. Wer sich in eine authentische, lebendige Version des feudalen Japans versetzen lassen möchte, wird hier voll auf seine Kosten kommen.
Die Schattenseite der Schatten – Repetitive Nebenquests und vorhersehbare Missionsstrukturen
So beeindruckend die Welt von Assassin’s Creed Shadows auch ist, sie leidet unter einem alten Ubisoft-Problem: der sich wiederholenden Quest-Struktur. Bereits nach einigen Stunden fällt auf, dass viele Nebenaufgaben nach einem bekannten Muster ablaufen. Ob man nun einen gefangenen Dorfbewohner rettet, eine feindliche Festung infiltriert oder gestohlene Waren zurückholt – oft fühlt es sich an, als hätte man die gleiche Aufgabe schon mehrfach erledigt, nur mit einem leicht anderen Anstrich.
Das ist besonders schade, weil Japan historisch gesehen eine Schatztruhe voller faszinierender Geschichten ist. Die Sengoku-Zeit war eine Ära des Chaos und der Umwälzungen, mit politischen Intrigen, verborgenen Attentaten und einem ständigen Machtkampf zwischen Daimyōs. Doch anstatt uns tief in diese Welt eintauchen zu lassen, präsentiert das Spiel zu oft Aufgaben nach dem Schema F: "Gehe zu Punkt X, eliminiere Ziel Y, kehre zurück zu Questgeber Z."
Dieses Muster zieht sich leider auch durch die Hauptmissionen. Während das Gameplay zwischen Yasuke und Naoe durchaus abwechslungsreich sein kann, bleibt die Missionsstruktur oft vorhersehbar. Wer frühere Assassin’s Creed-Spiele gespielt hat, wird sich an das bekannte Prinzip erinnert fühlen: Erst eine Observierungsphase, dann die Infiltration, schließlich die Eliminierung eines Ziels – wiederholt sich das zu oft, nutzt sich der Reiz ab.
Hier hätte Ubisoft mehr Mut zur Abwechslung zeigen können. Man stelle sich vor, Nebenquests würden stärker auf reale Ereignisse der Sengoku-Zeit eingehen: Politische Intrigen am Hof, Spionage gegen rivalisierende Clans oder das Navigieren in der gefährlichen Welt der japanischen Händler und Adligen. Stattdessen bleibt vieles oberflächlich und gibt dem Spieler wenig Anreiz, sich wirklich für die Nebenaufgaben zu begeistern.
Das bedeutet nicht, dass Assassin’s Creed Shadows keine spannenden Momente hat – aber es hätte noch mehr Potenzial, wenn Ubisoft sich von der klassischen Open-World-Formel lösen und mutigere, abwechslungsreichere Missionsdesigns bieten würde.
Der Animus Hub – Ein Zentrum der Geschichte
Der Animus Hub ist mehr als nur ein technisches Interface – es ist der zentrale Knotenpunkt für alle wichtigen Interaktionen im Spiel. Hier können Spieler nicht nur auf die Erinnerungen der beiden Protagonisten Naoe und Yasuke aus Assassin´s Creed: Shadows zugreifen, sondern auch zwischen verschiedenen Zeitlinien und Welten wechseln (frühere Assassin´s Creed Teile - darunter Mirage, Valhalla, Odyssey und Origins). Voraussetzung hierfür ist, dass ihr andere Teile besitzt und auch installiert habt.
Der Animus Hub ermöglicht es Spielern außerdem, Hub-Missionen zu starten und zu absolvieren. Die Belohnungen für die Hub-Quests sind entweder gekoppelt an den Fortschritt im Spiel oder durch entkoppelte Missionen abseits des Spiels. Die Belohnungen sind aufgebaut wie eine Seasonreise in Der Animus Hub verbindet sich auch mit dem Ingame-Shop, welcher Inhalte durch die Bezahlung von Echtgeld anbietet.
Footnotes
