Crimson Desert
Review

Crimson Desert

Nach Jahren der Entwicklung und einer gehörigen Portion Hype ist Crimson Desert endlich da - und es ist genau das geworden, was viele erwartet haben: ein riesiges, ambitioniertes Open-World-Abenteuer, das gleichzeitig fasziniert und frustriert. Pearl Abyss liefert hier kein perfektes Meisterwerk ab, aber ein Spiel, das man so schnell nicht wieder aus der Hand legen will - trotz seiner spürbaren Schwächen.

Ein wuchtiges Abenteuer mit Identitätskrise

Schon in den ersten Stunden wird klar, wohin die Reise geht: Crimson Desert wirft euch ohne großes Warm-up in eine düstere, raue Welt voller Konflikte, Fraktionen und mysteriöser Ereignisse. Ihr schlüpft in die Rolle von Kliff, einem Söldner mit überschaubarer Persönlichkeit, der sich durch Verrat, Krieg und übernatürliche Phänomene kämpft.

Die Story selbst ist dabei… schwierig. Die Grundidee - eine bodenständige Rachegeschichte mit Fantasy- und Sci-Fi-Einschlägen - funktioniert durchaus. Allerdings leidet die Erzählweise unter schwachem Pacing, sprunghaften Dialogen und einem Einstieg, der euch eher verwirrt als abholt. Charaktere bleiben oft blass, und emotionale Momente verpuffen, weil die Inszenierung nicht mithalten kann.

Zwischen Genie und Chaos

Das Gameplay ist ganz klar die größte Stärke und gleichzeitig auch eine der größten Baustellen.

Das Kampfsystem fühlt sich wuchtig, direkt und abwechslungsreich an. Kliff kann mit Schwertern, Fäusten, Magie und Spezialfähigkeiten kämpfen, kombiniert mit Paraden, Ausweichrollen und spektakulären Finishern. Besonders im späteren Spielverlauf eskaliert das Ganze zu einem regelrechten Effektgewitter aus Explosionen, Physik-Spielereien und absurden Kombos.

Doch: Nicht alles ist Gold. Das Targeting wirkt teilweise unzuverlässig, einige Fähigkeiten sind deutlich stärker als andere (Stichwort „Heavy-Attack-Spam“), und gerade Bosskämpfe schwanken zwischen episch und frustrierend unfair. Checkpoints fehlen oft, und manche Mechaniken wirken unnötig sperrig.

Auch die vielen zusätzlichen Systeme - Crafting, Beziehungen, Lagerausbau, Nebenaktivitäten - sind ein zweischneidiges Schwert. Die Menge ist beeindruckend, aber vieles fühlt sich nicht tief genug ausgearbeitet an. Oft hat man das Gefühl: „Das ist cool… aber hätte besser sein können.“

Steuerung & Eingewöhnung: Komplex, aber nicht immer clever

Ein Bereich, der im Spielalltag deutlich stärker ins Gewicht fällt als man zunächst denkt, ist die Steuerung. Crimson Desert setzt auf ein extrem umfangreiches Eingabeschema, das auf dem Papier viele Möglichkeiten eröffnet, in der Praxis aber gerade zu Beginn eher überfordert als begeistert.

Die Vielzahl an Kombos, Kontextaktionen, Fähigkeiten und Interaktionen sorgt dafür, dass die Tastenbelegung schnell überladen wirkt. Besonders in den ersten Spielstunden fühlt sich vieles unintuitiv an. Aktionen liegen nicht dort, wo man sie erwarten würde, und das Spiel erklärt seine Mechaniken nur unzureichend. Das führt dazu, dass man häufiger gegen die Steuerung arbeitet, statt mit ihr.

Hat man sich einmal eingespielt, entfaltet das System durchaus seine Stärken und ermöglicht ein erstaunlich dynamisches Kampferlebnis. Dennoch bleibt der Eindruck, dass hier weniger oft mehr gewesen wäre. Eine klarere Struktur, bessere Tutorials und vor allem eine intuitivere Belegung hätten dem Spielfluss spürbar gutgetan.

Open World: Gigantisch, aber nicht immer lebendig

Die Spielwelt von Pywel ist riesig und visuell beeindruckend. Von grünen Hügeln über verschneite Berge bis hin zu mystischen Floating-Inseln ist alles dabei. Die Welt lädt zum Erkunden ein, und es gibt unzählige Aktivitäten: Jagen, Angeln, Kämpfen, Rätsel lösen oder einfach nur durch die Gegend reiten.

Allerdings fehlt es der Welt stellenweise an Leben. NPCs wirken oft statisch, Dialoge hölzern, und viele Aktivitäten haben wenig spielerische Tiefe. Loot fühlt sich häufig belanglos an, und das Fortschrittssystem motiviert nicht immer langfristig.

Grafik & Technik: Atemberaubend mit Aussetzern

Testsystem

CPU
AMD Ryzen 7 7800X3D
GPU
NVIDIA RTX 5070 Ti
RAM
32GB DDR5-6000 CL30
Mainboard
ASUS ROG STRIX B650E-F
SSD
NVMe SSD
OS
Windows 11
Auflösung
1080p / 1440p / 4K

Technisch liefert Crimson Desert ein Wechselbad der Gefühle.

Wenn alles zusammenkommt, ist das Spiel schlicht beeindruckend. Große Schlachten mit dutzenden NPCs, dynamisches Wetter und eine detaillierte Welt sorgen für echte „Wow“-Momente. In diesen Momenten kratzt das Spiel tatsächlich an der Spitze dessen, was aktuell möglich ist.

Doch dann gibt es wieder Szenen mit schwachen Animationen, veralteten Gesichtern oder technischen Problemen. Abstürze, Framedrops und kleinere Bugs trüben das Gesamtbild. Gerade auf dem PC merkt man: Hier ist noch Optimierungspotenzial vorhanden.

📊 GPU Benchmarks (Max Settings)

Avg FPS
1% Low
RTX 5070 Ti
1440p Max FPS
165 / 120
1440p Max Grafik
105 / 78
1440p Mixed
130 / 95
4K Ultra
75 / 58
Crimson Desert
84
Großartig

Crimson Desert

Pearl AbyssPearl Abyss 19.03.2026
Grafik85%
Gameplay80%
Inhalt90%
Preis / Leistung80%

Positives

  • +Riesige, abwechslungsreiche Open World
  • +Wuchtiges, spektakuläres Kampfsystem
  • +Viele Gameplay-Systeme und Aktivitäten
  • +Starke visuelle Momente und große Schlachten

Negatives

  • -Schwache Story-Inszenierung und blasse Figuren
  • -Technische Probleme (Crashes, Performance)
  • -Viele Systeme wirken nicht zu Ende gedacht
  • -Teilweise frustrierende Bosskämpfe
  • -Welt wirkt stellenweise leblos