Im Namen des Imperators!
Wer sich mit Warhammer 40.000 auskennt, weiß, dass eine friedliche Galaxis ungefähr so wahrscheinlich ist wie ein Ork, der eine diplomatische Lösung bevorzugt. Auch in Boltgun 2 sieht es entsprechend düster aus. Die Streitkräfte des Chaos bedrohen die Menschheit, und mit Vashtorr dem Arkifanen steht ein besonders unangenehmer Gegner im Mittelpunkt der Geschichte. Der dämonische Halbgott verfolgt seine eigenen Pläne, während die Streitkräfte des Imperiums versuchen, der Bedrohung Herr zu werden.

Die Handlung ist dabei vor allem der Aufhänger für das, was Boltgun 2 wirklich ausmacht: eine ganze Menge Gegner, die dringend Bekanntschaft mit unseren Waffen machen müssen. Große Wendungen, ausführliche Dialoge oder komplexe Charakterentwicklungen sollte man deshalb nicht erwarten. Die Geschichte wird hauptsächlich über kurze Zwischensequenzen, Missionsbeschreibungen und die Spielwelt selbst vermittelt. Das ist nicht unbedingt ein Problem. Schließlich handelt es sich um einen Boomer-Shooter, bei dem das Tempo im Gefecht deutlich wichtiger ist als ausgedehnte Gespräche. Trotzdem hätte ich mir stellenweise etwas mehr Hintergrundgeschichte gewünscht. Gerade das Warhammer-40.000-Universum bietet mit seinen zahlreichen Fraktionen, Intrigen und religiösen Absurditäten genügend Stoff für mehr als nur einen kurzen Anlass, den Abzug durchzudrücken.

Immerhin bekommt die Welt durch den zurückkehrenden Servoschädel und die bissigen Kommentare der Figuren eine ordentliche Portion schwarzen Humor. Die Mischung aus düsterer Science-Fiction, religiösem Fanatismus und bewusst übertriebener Gewalt passt hervorragend zum Universum. Auch Neueinsteiger können sich problemlos ins Gefecht stürzen. Wer die Hintergründe kennt, entdeckt allerdings deutlich mehr Details und Anspielungen.
Zwei Charaktere, zwei Spielstile
Die größte Neuerung gegenüber dem Vorgänger ist die Möglichkeit, zwischen zwei spielbaren Figuren zu wählen: dem bekannten Ultramarine Malum Caedo und der neuen Protagonistin Nyra Veyrath, einer Schwester des Adepta Sororitas.
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Malum Caedo ist genau das, was man von einem Space Marine erwartet: ein schwer gepanzerter Supersoldat, der sich mit beeindruckender Wucht durch die feindlichen Reihen arbeitet. Seine Stärke liegt im direkten Angriff. Mit seiner Sturmfähigkeit kann er Gegner aus dem Weg räumen und sich Platz verschaffen, während seine robuste Konstitution auch den einen oder anderen Treffer verzeiht. Wer gerne mitten in eine Horde springt, statt sich lange mit taktischen Überlegungen aufzuhalten, wird mit Caedo schnell warm.
Nyra spielt sich dagegen deutlich agiler. Sie ist schneller unterwegs, kann mit ihren Ausweich- und Sprungbewegungen größere Distanzen überwinden und profitiert von einem anderen Waffenarsenal. Ihre geringere Widerstandsfähigkeit verlangt zwar etwas mehr Aufmerksamkeit, dafür fühlt sie sich in hektischen Situationen beweglicher an. Statt sich wie Caedo mit voller Wucht durch die Gegner zu arbeiten, lebt ihr Spielstil davon, ständig in Bewegung zu bleiben.
Besonders gelungen ist, dass diese Unterschiede nicht nur auf dem Papier existieren. Beide Figuren bringen eigene Fähigkeiten und Waffen mit, wodurch sich Kämpfe tatsächlich anders anfühlen. Caedo vermittelt das Gefühl eines wandelnden Panzers, während Nyra deutlich dynamischer agiert. Das macht einen zweiten Durchgang wesentlich interessanter, als lediglich ein alternatives Charaktermodell vermuten ließe. Wer die Kampagne bereits mit Caedo absolviert hat, bekommt mit Nyra einen guten Grund, erneut in die Schlacht zu ziehen.

Bewährte Ballerei mit sinnvollen Verbesserungen
Das Herzstück von Boltgun 2 bleibt der Kampf. Gegnerhorden, enge Korridore, weitläufige Arenen und ein Arsenal, das kaum eine friedliche Verwendung kennt, bilden die Grundlage für das Spielgeschehen. Die Steuerung ist direkt, die Gefechte sind schnell und die Waffen vermitteln genau das richtige Maß an Wucht. Gerade bei einem Boomer-Shooter ist das entscheidend. Wenn auf dem Bildschirm dutzende Gegner gleichzeitig auftauchen, muss sich jede Waffe gut anfühlen. Boltgun 2 versteht das und setzt auf knackige Schussgeräusche, deutliche Trefferreaktionen und reichlich übertriebene Gewaltdarstellung. Wenn der Bolter loslegt oder ein schweres Geschütz eine Gegnergruppe auseinanderreißt, kommt genau die Art von Befriedigung auf, die man sich von einem solchen Spiel erhofft.
Das Waffenarsenal fällt für beide Charaktere unterschiedlich aus. Caedo greift auf die typische Ausrüstung der Space Marines zurück. Neben seinem namensgebenden Bolter stehen ihm unter anderem Schrotflinten, Plasmawaffen, Raketen und schwere Geschütze zur Verfügung. Besonders die mächtigeren Waffen eignen sich hervorragend, um größere Gegner oder ganze Gruppen schnell auszuschalten. Nyra setzt dagegen stärker auf die Waffen der Sororitas. Flammenwerfer, Melta-Waffen und schwere Bolter sorgen für reichlich Abwechslung, während ihre eigene Beweglichkeit einen anderen Umgang mit den Gegnern ermöglicht. Auch die Möglichkeit, bestimmte Waffen durch besondere Verbesserungen aufzuwerten, eröffnet zusätzliche Spielräume. Manche Upgrades verändern die Funktionsweise einer Waffe so deutlich, dass sich ein erneuter Blick auf das eigene Arsenal durchaus lohnt.
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Eine besonders erfreuliche Änderung betrifft das Waffensystem. Der Vorgänger setzte auf individuelle Verbesserungsstufen für einzelne Waffen. Das konnte die Progression unnötig verkomplizieren und führte teilweise zu wenig intuitiven Ergebnissen. Boltgun 2 verzichtet auf dieses System und macht die Unterschiede zwischen den Waffen wieder unmittelbarer verständlich. Schwerere Waffen fühlen sich entsprechend mächtig an, während leichtere Alternativen ihre eigenen Einsatzgebiete haben. Das ist eine sinnvolle Entscheidung. Statt sich ständig mit Zahlen und Verbesserungsstufen zu beschäftigen, konzentriert man sich wieder auf das Wesentliche: die richtige Waffe für den jeweiligen Gegner zu finden und möglichst wenig Munition zu verschwenden. Wobei Letzteres in der Praxis natürlich eher eine Empfehlung als eine ernst gemeinte Verpflichtung ist.
Auch die Gegnerauswahl wurde erweitert. Die verschiedenen Streitkräfte des Chaos bringen eigene Angriffsmuster und Verhaltensweisen mit. Die Berserker des Khorne gehen aggressiv in den Nahkampf, die Anhänger Nurgles setzen auf giftige Angriffe und widerwärtige Kreaturen, während die Truppen Tzeentchs mit magischen Fähigkeiten und überraschenden Bewegungen für zusätzliche Unruhe sorgen. Die schnellen Dämonen Slaaneshs wiederum bestrafen Spieler, die zu lange an einer Stelle stehen bleiben. Dadurch reicht es nicht immer, einfach nur den Abzug gedrückt zu halten. Je nach Gegnergruppe lohnt es sich, die eigene Position anzupassen und das Waffenarsenal gezielt einzusetzen. Von einer hochentwickelten Gegner-KI sollte man zwar nicht ausgehen, doch für die Art von Shooter, die Boltgun 2 sein möchte, funktioniert die Mischung sehr gut. Zusätzliche Fallen und Gefahren in der Umgebung erweitern die Möglichkeiten. Explosive Fässer, giftige Flüssigkeiten und andere Hindernisse können im Kampf nützlich sein, stellen aber auch für den eigenen Charakter eine Gefahr dar. Wer blindlings durch jede Arena stürmt, kann sich dadurch durchaus selbst in Schwierigkeiten bringen.

Mehr Freiheit, mehr Abwechslung
Auch beim Aufbau der Kampagne hat sich etwas getan. Während der erste Teil vergleichsweise geradlinig verlief, bietet Boltgun 2 eine verzweigte Missionsstruktur mit unterschiedlichen Wegen und mehr als 30 Levelabschnitten. Spieler entscheiden sich im Verlauf der Kampagne für bestimmte Missionen, wodurch andere Abschnitte in diesem Durchgang unzugänglich bleiben. Das ist eine interessante Idee, denn sie verleiht der Kampagne einen zusätzlichen Wiederspielwert. Wer alles sehen möchte, muss sich erneut ins Gefecht stürzen und alternative Wege ausprobieren. Zusammen mit den beiden spielbaren Charakteren ergibt sich daraus ein nachvollziehbarer Anreiz für einen zweiten Durchgang.
Allerdings sollte man die Entscheidungsfreiheit nicht überschätzen. Es handelt sich nicht um ein Rollenspiel mit weitreichenden Konsequenzen oder ständig neuen Handlungsverläufen. Die Auswahlmöglichkeiten betreffen vor allem die Reihenfolge und die Zusammensetzung der Missionen. Trotzdem ist das eine sinnvolle Weiterentwicklung, die dem Spiel mehr Struktur verleiht, ohne die unkomplizierte Ausrichtung zu verlieren. Die einzelnen Abschnitte fallen abwechslungsreicher aus als im Vorgänger. Neben industriellen Anlagen und imperialen Festungen warten religiöse Bauwerke, verseuchte Gebiete und die grotesken Schauplätze der verschiedenen Chaosgötter. Dabei beschränkt sich die Vielfalt nicht auf unterschiedliche Farben oder Texturen. Die Level unterscheiden sich auch in ihrer Architektur, ihrer Atmosphäre und der Art, wie die Gefechte inszeniert werden.

Zusätzliche Nebenmissionen ergänzen die Hauptkampagne und geben Spielern weitere Gründe, die Umgebung zu erkunden. Wer sich die Zeit nimmt, abseits des direkten Weges nach Geheimnissen und versteckten Verbesserungen zu suchen, wird ebenfalls belohnt. Ganz ohne Schwächen ist das Leveldesign allerdings nicht. Gerade zu Beginn können ähnlich gestaltete Korridore dafür sorgen, dass man kurz die Orientierung verliert. Hier hilft die zurückkehrende Navigationsfunktion, die den Weg zum nächsten Ziel sichtbar machen kann. Das ist praktisch und erspart unnötige Sucherei. Wer lieber selbst herausfinden möchte, wo es weitergeht, kann die Hilfestellung einfach als optionale Unterstützung betrachten. Insgesamt profitiert Boltgun 2 spürbar davon, dass die Entwickler die Spielwelt nicht nur größer, sondern auch abwechslungsreicher gestaltet haben. Die Kampagne wirkt dadurch weniger repetitiv, ohne ihre geradlinige Ausrichtung aufzugeben.
Retro-Charme mit modernen Effekten
Optisch bleibt Boltgun 2 seiner Linie treu. Die Mischung aus groben Pixeltexturen, klassischen Sprites und moderner Beleuchtung orientiert sich unverkennbar an den Ego-Shootern der 1990er-Jahre. Gleichzeitig sorgt die moderne Technik dafür, dass Licht, Explosionen und Umgebungen deutlich zeitgemäßer wirken, als es der bewusst altmodische Stil zunächst vermuten lässt. Das Ergebnis funktioniert erstaunlich gut. Die gewaltigen imperialen Bauwerke, düsteren Industrieanlagen und grotesken Chaosfestungen vermitteln die richtige Atmosphäre. Gerade die unterschiedlichen Umgebungen profitieren von der verbesserten Gestaltung. Wo sich der Vorgänger gelegentlich etwas eintönig anfühlte, gibt es nun mehr architektonische Abwechslung und eine stärkere räumliche Wirkung.

Besonders die Effekte wissen zu gefallen. Plasmaentladungen, Explosionen und magische Angriffe bringen Farbe und Bewegung auf den Bildschirm. Gleichzeitig bleibt die Darstellung der Gegner ausreichend gut lesbar, sodass man auch in hektischen Gefechten nicht ständig rätseln muss, was sich gerade vor der eigenen Waffe befindet. Und natürlich darf bei einem Spiel wie Boltgun 2 auch die übertriebene Gewaltdarstellung nicht fehlen. Gegner werden in ihre Einzelteile zerlegt, Explosionen hinterlassen ein blutiges Chaos und schwere Waffen machen ihrem Namen alle Ehre. Das ist bewusst überzeichnet und passt hervorragend zum restlichen Spiel. Für Nostalgiker stehen außerdem Retro-Filter zur Verfügung, mit denen sich der Look alter Röhrenmonitore nachahmen lässt. Das ist eine nette Ergänzung, dürfte aber nicht jedem dauerhaft gefallen. Ohne die zusätzlichen Filter wirkt das Bild klarer, was gerade bei der Suche nach Gegnern und Geheimnissen hilfreich sein kann. Natürlich sollte niemand eine realistische Grafikbombe erwarten. Das ist auch nicht der Anspruch des Spiels. Boltgun 2 möchte die Ästhetik klassischer Shooter mit modernen Effekten verbinden, und das gelingt ihm insgesamt sehr überzeugend.

Der Sound gehört zu den großen Stärken von Boltgun 2. Die Waffen klingen kraftvoll, Treffer haben ordentlich Wucht und die Geräusche der Gegner sorgen dafür, dass selbst kleinere Gefechte nicht an Intensität verlieren. Gerade bei einem Shooter, in dem man einen Großteil der Spielzeit mit Schießen verbringt, ist das ein wichtiger Bestandteil des Spielerlebnisses. Besonders die schweren Waffen profitieren von der gelungenen Klanggestaltung. Jeder Schuss soll sich nach einer ernst zu nehmenden Bedrohung anhören, und genau diesen Eindruck vermittelt das Spiel. Dazu kommen die metallischen Schritte der gepanzerten Figuren und die widerwärtigen Geräusche der Chaos-Kreaturen, die das Geschehen passend untermalen.
Auch die Musik passt hervorragend zum Tempo. Industrielle Metal-Klänge, wuchtige Gitarren und orchestrale Elemente treiben die Gefechte voran, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Mit Mick Gordon ist zudem ein Komponist beteiligt, der bereits mit seiner Arbeit an DOOM gezeigt hat, wie gut aggressive elektronische Klänge und schwere Gitarren zu schnellen Shootern passen können. Sein Beitrag "Ascent of the Arkifane" bildet dabei einen besonderen Höhepunkt. Die Kombination aus verzerrten Gitarren, Synthesizern und orchestralen Elementen passt hervorragend zur düsteren Welt von Warhammer 40.000. Wer auf klassischen Heavy Metal im Stil älterer Shooter-Soundtracks hofft, könnte sich allerdings etwas mehr Abwechslung wünschen. Der stärkere Fokus auf Industrial und moderne Metal-Elemente ist Geschmackssache. An der grundsätzlichen Qualität des Soundtracks ändert das wenig. Auch die kurzen Ausrufe der beiden Spielfiguren tragen zur Atmosphäre bei. Die Sprüche sind nicht besonders tiefgründig, passen aber zum überzeichneten Charakter des Spiels und lockern das blutige Geschehen gelegentlich mit einem Augenzwinkern auf.

Technik und Performance
Bei einem schnellen Ego-Shooter ist eine zuverlässige technische Umsetzung besonders wichtig. Wenn dutzende Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm erscheinen, muss die Darstellung übersichtlich bleiben und die Steuerung unmittelbar reagieren. Boltgun 2 profitiert hier von seinem bewusst stilisierten Grafikansatz und der klaren Ausrichtung auf schnelle Gefechte.
Die verbesserte Lesbarkeit der Gegner und die aufgeräumtere Benutzeroberfläche sind dabei nicht nur optische Verbesserungen, sondern helfen auch ganz praktisch beim Spielen. Die Navigationshilfe reduziert unnötige Sucherei, während die übersichtlichere Darstellung der Waffenwerte den Blick auf das Wesentliche lenkt. Allerdings lässt sich anhand der vorliegenden Informationen keine belastbare Aussage zu konkreten Bildraten, Ladezeiten oder zur Kompatibilität mit dem Steam Deck treffen. Diese Aspekte sollten deshalb nicht mit unbelegten Leistungsversprechen bewertet werden. Auch bei den Bosskämpfen scheint nicht alles perfekt zu laufen: Einzelne Begegnungen können durch ungewöhnliche Situationen oder das Verhalten der Gegner unfreiwillig komisch werden. Solche Momente passen zwar gelegentlich zum Chaos des Spiels, können aber auch den Eindruck einer nicht ganz ausgereiften Inszenierung hinterlassen.







