Atomfall
Review

Atomfall

Pubisher: Rebellion • Developer: Rebellion • Release: 24.03.2025
* Das Spiel wurde uns für das Review vom Publisher zur Verfügung gestellt
Atomfall entführt uns in das Jahr 1962, fünf Jahre nach dem fiktiven Super-GAU von Windscale. Als namenloser Protagonist mit Gedächtnisverlust erwachen wir in einer Quarantänezone, die von Kultisten, marodierenden Banden und mysteriösen Kreaturen bevölkert wird. Unsere Mission: Überleben, die Wahrheit hinter der Katastrophe aufdecken und einen Weg aus dieser gefährlichen Zone finden.

Die Kampagne von Atomfall beginnt mit dem Erwachen unseres Charakters in einem verlassenen Bunker. Ohne Erinnerung an die vergangenen Ereignisse begeben wir uns auf eine Reise durch die verwüstete Landschaft Nordenglands. Wir erkunden verlassene Dörfer, dichte Wälder und geheime militärische Einrichtungen, stets auf der Suche nach Hinweisen, die Licht ins Dunkel der Geschehnisse bringen. Dabei treffen wir auf skurrile Charaktere, schließen Allianzen oder geraten in Konflikte mit verschiedenen Fraktionen, die alle ihre eigenen Motive verfolgen. Die Entscheidungen, die wir treffen, beeinflussen den Verlauf der Geschichte und führen zu unterschiedlichen Enden.

Die Atmosphäre von Atomfall: Ein Trip in die düstere Seite Britanniens

Wenn ein Spiel es schafft, dich nicht nur zu unterhalten, sondern förmlich in seine Welt zu ziehen, dann hat es etwas richtig gemacht. Atomfall gehört genau zu dieser Sorte Spiele. Die detailreiche Nachbildung einer fiktiven, aber erschreckend glaubwürdigen Version Nordenglands in den 1960er Jahren ist einer der größten Pluspunkte des Spiels.

Schon in den ersten Spielminuten macht sich dieses beklemmende Gefühl breit – eine Mischung aus Neugier, Unbehagen und Faszination. Verlassene Dörfer, in denen zerfallene Häuser und Möbel an eine Zeit erinnern, die abrupt endete. Straßen, auf denen Moos wuchert, als hätte die Natur begonnen, sich das Land zurückzuholen. Und dann sind da noch die unheimlichen, nebelverhangenen Moore, die an die düsteren Legenden der britischen Folklore erinnern – Geschichten von Geistern und verschwundenen Wanderern, die sich nie wieder blicken ließen.

Diese Liebe zum Detail sorgt dafür, dass sich die Welt lebendig anfühlt – oder vielmehr lebendig gewesen ist. Jedes verlassene Haus erzählt eine Geschichte: ein Kinderzimmer mit einem alten Teddybären, der achtlos auf dem Boden liegt, als wäre er in Panik fallen gelassen worden. Es sind diese kleinen Dinge, die Atomfall so immersiv machen.

Doch was das Spiel besonders macht, ist, dass es nicht nur auf klassische Postapokalypse-Klischees setzt. Es zeigt nicht einfach eine Welt, die nach einer Katastrophe zerfiel – es zeigt eine Welt, die weiterexistiert, wenn auch in einer grotesken, verstörenden Art. Es gibt Überlebende, die in improvisierten Gemeinschaften hausen, manche wahnsinnig, andere resigniert, wieder andere eiskalt berechnend. Es gibt eine neue Gesellschaftsordnung, die auf den Trümmern der alten errichtet wurde – ein Szenario, das in gewisser Weise an die Nachkriegsjahre in Europa erinnert, in denen Menschen versuchten, Normalität in einer Welt zu finden, die nicht mehr dieselbe war.

Britische Geschichte und Folklore fließen subtil in die Welt ein. Die Katastrophe von Windscale – auf der die Hintergrundgeschichte des Spiels lose basiert – war ein realer Atomunfall im Jahr 1957, dessen Spuren bis heute nachwirken. Atomfall nimmt diese düstere Realität und spinnt daraus eine alternative Geschichte, die sich erschreckend plausibel anfühlt. Es erinnert an andere postnukleare Szenarien, sei es Stalker oder Fallout, aber mit einem unverkennbar britischen Einschlag.

Atomfall: Überleben mit Verstand

In der postapokalyptischen Welt von Atomfall ist der Spieler oft auf sich allein gestellt. Hilfsmittel sind knapp, Munition noch knapper, und die Gefahren lauern an jeder Ecke. Doch wie in jeder Katastrophe – ob real oder fiktiv – zeigt sich wahre Überlebenskunst nicht nur in roher Gewalt, sondern in Einfallsreichtum. Genau hier kommen die zahlreichen Hilfsmittel des Spiels ins Spiel: mittels Stoff und Alkohol werden beispielsweise Verbände gefertigt, während ihr euch aus Sporen und Chemikalien Mutter Jangos Tonic brauen könnt. Ein Metalldetektor verhilft euch zu Bodenschätzen und mit Skillbüchern bringt ihr euch selbst in der Welt weiter. Hilfsmittel in Atomfall sind weit mehr als nur Sammelobjekte – sie sind essenziell für das Überleben in einer gnadenlosen Welt. Das Spiel zwingt den Spieler, strategisch zu denken, Ressourcen zu verwalten und kluge Entscheidungen zu treffen. Wer unvorbereitet loszieht, wird schnell an die Grenzen seiner Möglichkeiten stoßen.

Bildergalerie

Die Story von Atomfall: Ein düsteres Puzzle voller Geheimnisse

Ein gutes Spiel kann uns mit fesselndem Gameplay oder atemberaubender Grafik begeistern. Doch ein großartiges Spiel bleibt in Erinnerung, weil es uns mit seiner Geschichte berührt, überrascht oder sogar verstört. Atomfall gehört in die zweite Kategorie – ein Spiel, das mit seiner vielschichtigen Story immer wieder zum Nachdenken anregt und sich nicht scheut, unbequeme Fragen zu stellen.

Auf den ersten Blick scheint die Handlung simpel: Eine nukleare Katastrophe hat Nordengland verwüstet, und unser namenloser Protagonist erwacht ohne Erinnerung inmitten dieses Chaos. Aber schon nach wenigen Stunden wird klar, dass hinter der Katastrophe weit mehr steckt als ein bloßer Unfall. Wer trägt die Verantwortung? Welche Rolle spielte die Regierung? Und warum scheinen so viele Überlebende in dieser trostlosen Welt entweder fanatisch, wahnsinnig oder zutiefst verängstigt zu sein?

Atomfall baut seine Geschichte wie ein Puzzle auf – ein Puzzle, dessen Teile nur langsam und nicht immer in offensichtlicher Reihenfolge zusammenfinden. Während der Erkundung stößt man auf Tagebücher, vergilbte Briefe oder verstümmelte Radioübertragungen, die den Eindruck vermitteln, dass sich die Wahrheit nur in Bruchstücken erhalten hat. Diese Art des Storytellings erinnert an Spiele wie S.T.A.L.K.E.R., wo der Spieler aktiv nach Hinweisen suchen muss, um das Gesamtbild zu erkennen.

Die Schwächen von Atomfall: Wo das Endzeit-Abenteuer ins Straucheln gerät

So atmosphärisch, tiefgründig und spannend Atomfall auch ist – es bleibt nicht ohne Schwächen.

In einer postapokalyptischen Welt sind Kämpfe oft unvermeidlich – sei es gegen marodierende Banden, mutierte Kreaturen oder verzweifelte Überlebende, die um die letzten Ressourcen kämpfen. Atomfall setzt hier auf ein First-Person-Kampfsystem mit Nah- und Fernkampfwaffen, das jedoch nicht so präzise funktioniert, wie es sollte. Ein Problem ist das unausgewogene Treffer-Feedback: Manchmal landen Schüsse scheinbar ins Leere, selbst wenn das Fadenkreuz genau auf dem Gegner liegt. Gleichzeitig reagieren Feinde oft träge auf Treffer – mal taumeln sie realistisch zurück, mal stecken sie eine Ladung Schrot ein, als wäre nichts passiert.

Die offene Welt von Atomfall lädt zum Erkunden ein – und genau hier liegt ein weiteres Problem. Viele Missionen setzen auf das „Finde diesen Gegenstand“-Prinzip, ohne dem Spieler klare Hinweise zu geben. Das kann zwar den Entdeckergeist fördern, führt aber oft zu unnötigem Umherirren. Ein Beispiel: In einer frühen Quest wird man gebeten, einen bestimmten Schlüssel zu finden, um eine verbarrikadierte Tür zu öffnen. Der einzige Hinweis? „Er war im Haus, bevor sie ihn holten.“ Klingt atmosphärisch, aber in einem Spiel, in dem fast jedes Haus durchsuchbar ist, wird das schnell zur Geduldsprobe. Nach einer halben Stunde Suchen findet man den Schlüssel schließlich – unter einer umgestürzten Kommode, die aussieht wie jede andere im Spiel.

Open-World-Spiele sind bekannt dafür, dass sie mit Bugs zu kämpfen haben – Atomfall macht da leider keine Ausnahme. Während meiner Spielzeit sind mir mehrere kleinere, aber auch einige nervige technische Probleme begegnet. Zu den harmloseren gehören Grafikfehler: Charaktere, die plötzlich in Wänden feststecken, oder Objekte, die in der Luft schweben. Dann gibt es noch die immersionsbrechenden Momente, wenn NPCs mitten im Gespräch einfach stehen bleiben und in die Leere starren – als hätten sie vergessen, dass sie überhaupt existieren.

Atomfall

Zusammenfassung

Präsentation (Grafik)
85%
Gameplay
80%
Inhalt
85%
Preis / Leistung
80%

Fazit

Atomfall bietet ein intensives Survival-Erlebnis in einer einzigartigen britischen Post-Apokalypse. Die Mischung aus Erkundung, Entscheidungsfreiheit und einer packenden Geschichte macht es zu einem empfehlenswerten Titel für Fans des Genres. Trotz kleinerer Schwächen überzeugt das Spiel durch seine dichte Atmosphäre und narrative Tiefe. Für alle, die sich in ein düsteres Abenteuer voller Geheimnisse stürzen möchten, ist Atomfall definitiv einen Blick wert.
Pro
+
Atmosphärische Spielwelt und detailreiche Darstellung
+
Vielschichtige Story voller Wendungen
+
Entscheidungsfreiheit und spielerische Freiheit
+
Hoher Wiederspielwert durch Entscheidungen und multipler Enden
+
Interessantes Verwaltungs- und Craftingsystem
Contra
-
Kampfsystem könnte mehr Vielfalt bieten
-
Quest-Design bietet keine klaren Hinweise
-
Technische Mängel und Performance Probleme
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